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Der DAN MOI Blog ♫

In unserem Blog schreiben wir über uns, über Maultrommeln und andere Instrumente, über Veranstaltungen und Künstler, die mit unseren Instrumenten zu tun haben.

  • The Strange Sound of Happiness: Diego Pascal Panarello folgt der geheimnisvollen Kraft der Maultrommeln

    Endlich gibt es wieder einen neuen Film über die Maultrommel. Der sizilianische Filmemacher Diego Pascal Panarello arbeitete über sieben Jahre lang an „The Strange Sound of Happiness“. Beim Leipziger DOK Festival 2017 feierte die Fantasy-Doku ihre Weltpremiere. DAN MOI traf Diego im Foyer des Kinos in Leipzig wenige Minuten vor der Premiere. Auf einem Bartisch breitete er nicht nur seine Maultrommelsammlung für uns aus, sondern auch einige berauschende Legenden u.a. über die Verbindung der Maultrommel mit der Mafia, die Geschichte über den Verlust seiner Lieblings-Maultrommel und natürlich seine ganz persönliche erste Begegnung mit den „Sorgenvertreibern“.

    Bis 16. Dezember 2018 ist eine 45-minütige Version des Films in der ARTE Mediathek zu sehen: Die Maultrommel: Jakutiens Schlüssel zum Glück

    Diego Pascal Panarello (DPP): Ich komme aus der Stadt Augusta, das liegt auf Sizilien zwischen Syrakus und Catania. Augusta hat einen Marinestützpunkt und einen Fischereihafen. Zu meiner ersten Maultrommel kam ich ganz zufällig. Ich weiß gar nicht so genau warum, aber eines Tages wachte ich auf und wollte Maultrommel spielen. Also ging ich zu einem Souvenirgeschäft und kaufte mir eine. Als ich sie hatte, hörte ich eine Woche lang nicht auf, sie zu spielen. Meine Lippen begannen zu bluten, weil ich sie nicht richtig spielen konnte. Aber das hat sich nicht schlecht angefühlt, genaugenommen ging es mir beim Spielen richtig gut. Das ist jetzt 12 oder 15 Jahre her, danach habe ich die Maultrommel wieder vergessen. Ich spielte nur noch hin und wieder mal. Es hat mir Spaß gemacht, denn ich wurde immer ein wenig besser. Ich dachte so für mich, es ist etwas Geheimnisvolles an diesem Instrument dran. Es faszinierte mich. Auch sein italienischer Name faszinierte mich: Scaccia Pensieri bedeutet soviel wie „verschwindet, ihr schlechten Gedanken“. Das machte mich neugierig.

    DAN MOI: Wie würdest Du Dich bezeichnen?

    DPP: Ich bin Filmregisseur und ich bin ein gescheiterter Musiker. Ich wollte Musiker sein, aber ich war nie fähig ein Instrument spielen zu lernen. Ich bin eine Niete in der Musik, ich hab kein Gefühl für Rhythmus, Stimmung oder sonst irgendetwas ... Ich wurde Filmemacher. Und jetzt bin ich sogar doch noch ein ganz klein wenig Musiker geworden.

    DAN MOI: Welche Geschichte erzählst Du in dem Film?

    DPP: Es ist die Geschichte eines Typen, der 20 Jahre lang auf der Suche nach etwas war, der nicht genau wusste wonach er Ausschau hielt und es schließlich auch nicht fand. Er ist von diesem Leben müde geworden und kehrt in sein Elternhaus zurück. Ganz zufällig fällt ihm dieses kleine Instrument in die Hände und er folgt seinem Klang. Dadurch entdeckt er etwas, das er vorher nicht kannte. Der Film bewegt sich zwischen Realität und Fantasie. Es ist ein Dokumentarfilm mit einer Brise Fiktion. Ein visionärer Pop-Trip. Eine bewegte Geschichte ohne den Anspruch lückenlos historisch zu berichten.

    Dieser junge Typ gelangt also nach 20 Jahren durch die Maultrommel in eine ganz neue Welt. Diese neue Welt ist im Film durch Jakutien repräsentiert, denn Jakutien ist so ganz und gar verschieden zu Sizilien. Es erscheint wie ein Ort, der nur in der Vorstellung existiert. Im Film gelange ich nie in Wirklichkeit an diesen Ort, weder mit dem Zug, noch mit dem Flugzeug. Aber ich reise in Gedanken dorthin. Mich hat dieser andere Ort immer sehr fasziniert. Deshalb habe ich den Film zwischen Sizilien und Jakutien stattfinden lassen. Der eine Ort ist das Gegenteil des anderen Ortes. Es kommen noch ein paar andere Ecken der Welt im Film vor, wie Frankreich, Ungarn und Österreich, allerdings bekommt man das als Zuschauer nicht direkt mit, denn sie sind Teil der Geschichte und werden nicht genau benannt.

    DAN MOI: Wie stark ist die Maultrommelkunst in Sizilien verbreitet?

    DPP: Zunächst einmal ist die Maultrommel ein Souvenir für Touristen. Sizilien ist durch einige Kinofilme bekannt. Leute aus aller Welt kommen nach Sizilien, weil sie die Insel durch den Film „Der Pate“ oder den Gauner Salvatore Giuliano kennengelernt haben und sie mit eigenen Augen sehen wollen. Viele nehmen eine Maultrommel mit, wenn sie wieder abreisen. Seit etwa zehn Jahren gibt es außerdem das Marranzano World Festival in Catania. Es zeigt die Maultrommel in einem ganz neuen Licht und rückt sie aus der Touristenecke und der Mafiatradition raus.

    Ursprünglich war die Maultrommel in Sizilien das Instrument der Schäfer. Sie pflegten Maultrommel zu spielen, wenn sie mit den Tieren allein in den Bergen unterwegs waren. Als die Mafia begann die Gebiete neu zu organisieren, kam den Schäfern eine wichtige Rolle zu. Denn sie waren es, die mit ihren Schafen über die Ländereien zogen. Die Mafia versuchte sie deshalb auf ihre Seite zu ziehen, um Kontrolle über die Gebiete zu erlangen. Auf diese Weise kamen Maultrommel und Mafia in Kontakt miteinander. In den Filmen über Salvatore Giuliano, spielen Schäfer Signale auf der Maultrommel, wie „Salvatore, die Polizei kommt“. Allerdings denke ich, dass dies eine Erfindung des Regisseurs Francesco Rosi war und nicht der Realität entsprach.

    Es gibt viele Legenden, die davon berichten, dass mit Maultrommeln Signale von einem Hügel zum anderen geschickt wurden. Jedoch muss das schwierig gewesen sein, bedenkt man wie leise die Maultrommeln klingen. Genau das aber ist das Schöne daran: es gibt keine Geschichte der Maultrommel in Sizilien, dafür aber eine ganze Menge Platz für Mythen. Wahrscheinlich folgt mein Film genau diesem Ansatz. Die Maultrommel ist ein unbeschriebenes Blatt und man kann viel Neues kreieren. Jeder kann sich seine eigene Legende für das Instrument ausdenken.

    DAN MOI: Was wünschst Du Dir, wer den Film anschauen soll?

    DPP: Ich hoffe, dass ihn Leute sehen, die die Maultrommel noch nicht kennen. Natürlich freue ich mich auch, wenn Menschen den Film schauen, die mit der Maultrommel schon vertraut sind. Sie werden schon viel über die Geschichte der Instrumente wissen, deshalb ist es gar nicht schlecht, dass „The Strange Sound of Happiness“ keine historische Dokumentation im engeren Sinne ist. Ich hoffe, dass alle die ihn sehen, etwas für sich rausziehen können. Wie viele vielleicht wissen, repräsentiert die Maultrommel schließlich einen magischen Schlüssel ...

    DAN MOI: Wie schwer war es die Maultrommel zu filmen?

    DPP: Ich habe den Kameraleuten gesagt, dass sie die Maultrommel bitte von der rechten Seite her aufnehmen, denn die linke Seite wird von der Hand verdeckt. Andererseits, wenn man nicht so viel sieht, wird die Sache noch mysteriöser. Es gibt Passagen im Film, in denen es dunkel ist und wir mit genau diesem Effekt spielen: wenn die Maultrommel nicht zu sehen ist, wird sie noch interessanter für die Zuschauenden. Die Leute fragen sich dann, „ist das ein kleines Stück Eisen? Wie wird es gespielt? Was wird damit gespielt?“.

    DAN MOI: Welches ist Deine Lieblingsszene im Film?

    DPP: Es gibt einen Moment, der im Film nicht vorkommt. Ich habe einen Maultrommelschmied in Jakutien getroffen. Er hat ein Instrument für mich geschmiedet und seither hat sich mein Maultrommelspiel deutlich verbessert. Ich denke, dass ich diesen Sprung meiner neuen Maultrommel und diesem Schmied verdanke. Eines Tages aber ging genau dieses Instrument kaputt. Damals war ich in Europa und es war ein schrecklicher Moment für mich. Es war ganz klar, ich musste zurück nach Jakutien, um es reparieren zu lassen. Als ich in Jakutien ankam, sagte man mir, dass der Meisterschmied krank sei und das Instrument nicht wieder herrichten könne. Als mich diese Nachricht erreichte, musste ich weinen. Es kam mir vor, als würde ich einen geliebten Menschen oder etwas von besonderem Wert für mich verlieren. Das war ein symbolischer Moment für mich. Im Film wird diese Szene rekonstruiert, sie passierte mir jedoch in Wirklichkeit.

    Das Maultrommel-Etui von Diego Pascal Panarello.

    DAN MOI: Hast Du eine Marranzano bei Dir?

    DPP: Ja, ich habe eine sehr alte Marranzano hier. Sie wurde von einem Schmied angefertigt, der leider schon gestorben ist. Ich hab mal eine Frau getroffen, die mir erzählte, dass ihr Großvater Schmied in Leonforte war. Daraufhin erzählte ich ihr, dass ich wusste, dass es einen Schmied in Leonforte gab, der Maultrommel herstellen konnte, aber bereits tot war. Da sagte sie mir, „ja, genau, das war mein Großvater, er stellte solche Instrumente her“. Sie hatte fünf seiner Instrumente und schenkte mir eines davon. Es ist genau diese Maultrommel, die ich hier in den Händen halte.

    DAN MOI: Würdest Du für uns etwas auf der Maultrommel spielen?

    DPP: Na klar. Dieser Sound ist nicht ganz typisch für Sizilien. Der sizilianische Maultrommelklang ist eigentlich etwas härter. Ich weiß nicht warum, aber dieses Instrument klingt etwas weicher. Dass es schon so alt ist und immer noch funktioniert, ist auch nicht typisch. Normalerweise ist die Form des Bügels größer. Ich spiele kein sizilianisches Stück für Euch, sondern eine Improvisation. Es ist eine Art Tarantella.

  • Taucha ist magnetisch – die Stadt bei Leipzig zieht Maultrommeln an

    Seit 2014 steht in Taucha ein Pokal, der dem Ort in der Nähe von Leipzig symbolisch den Titel „Weltzentrum der Maultrommel“ verleiht. Taucha macht dieser Auszeichnung der International Jew´s Harp Society alle Ehre, denn in den vergangenen Jahren ist rund um Taucha viel passiert, was das kleine Instrument in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt: Im November 2017 feierte der Maultrommel-Dokumentarfilm „The Strange Sound of Happiness“ von Diego Pascal Panarello seine Weltpremiere ganz in der Nähe von Taucha, beim Leipziger DOK Fest; Spiridon Shishigin, einer der besten Maultrommelspieler aus dem russischen Jakutien, kommt seit einigen Jahren regelmäßig zu Besuch, denn seine Tochter Maria Shishigin lebt und arbeitet seit knapp vier Jahren in der Region; seit 2007 findet das Maultrommel- und Weltmusikfestival „Ancient Trance“ in Taucha statt; und bereits seit dem Jahr 2001 arbeitet mit dem Musikinstrumentenhandel DAN MOI der Maultrommel-Weltmarktführer in Taucha. Man könnte meinen, von Taucha geht ein geheimer Magnetismus aus, der Maultrommeln anzieht.

    Stadtzentrum von Taucha. Marktplatz und Kirche. Foto: Stadt Taucha

    Der erste Impuls für die jüngste deutsche Maultrommel-Geschichte wurde von Clemens Voigt gesetzt. Clemens gründete gemeinsam mit Sven Roxi Otto den Musikinstrumentenhandel DAN MOI, der mit Maultrommeln und inzwischen auch vielen anderen Effektinstrumenten, Perkussion bzw. Kleinperkussion und Blasinstrumenten handelt. Standort der Firma wurde ein Fabrikgelände am Stadtrand von Taucha bei Leipzig. Mit DAN MOI sprangen Clemens und Roxi in eine Lücke, denn vor 20 Jahren noch war es enorm schwer, in Europa eine Maultrommel, z.B. aus Vietnam, Indien oder Russland zu kaufen. Clemens hat das selbst erlebt: Seine erste Maultrommel, die er von einem Freund geschenkt bekam, war eine Dan Moi, eine vietnamesische Maultrommel, die an den Lippen gespielt wird und einen zarten, obertonreichen Klang produziert. Er war fasziniert von diesem schönen Instrument. Clemens versuchte daraufhin selbst eine Dan Moi zu kaufen, aber das war gar nicht so einfach. Es gab noch kein so großes Angebot von Musikinstrumenten im Internet wie heute und im Handel wurden überwiegend österreichische Bügel-Maultrommeln verkauft. Clemens reiste kurz entschlossen nach Vietnam und machte die Maultrommelschmiede vor Ort ausfindig.

    In Vietnam begann die Reise auf der Suche nach Maultrommeln erst. Als klar wurde, dass es Maultrommeln noch in vielen anderen Ländern der Welt zu entdecken gab, folgten weitere Reisen, u.a. ins russische Jakutien, einem Mekka für Maultrommelliebhaber. Clemens besuchte das große Maultrommel-Museum in Jakutsk und hiesige Maultrommelschmiede, wie Chemchoev und Petr Osipov. Osipov schmiedete für Clemens seine ganz persönliche Maultrommel, die bis heute seine Lieblingsmaultrommel ist. Die Leidenschaft für die Vielfalt der Maultrommeln findet man im Sortiment von DAN MOI wieder: DAN MOI hat über 300 verschiedene Maultrommeln aus 30 verschiedenen Ländern im Angebot.

    Clemens Voigt und der jakutische Maultrommelschmied Chemchoev, um das Jahr 2000.

    Seit über zehn Jahren schon ist das Ancient Trance Festival, das die Freude am Maultrommel spielen feiert, ein festes Ereignis in Taucha. DAN MOI haben das Maultrommel- und Weltmusikfestival gegründet. Heute liegt es in der Hand eines gemeinnützigen Vereins und einer soziokratischen Organisation von Menschen, die alle von der Magie der „organischen Synthesizer“ in Bann genommen wurden. Im Schlosshof, in der Innenstadt und im Park von Taucha treffen sich im Sommer Fans der akustischen Trancemusik. Das Ancient Trance Festival ist mit mehreren Tausend Zuschauern das größte Maultrommelfestival in Europa. Maultrommelspieler aus der ganzen Welt geben sich hier die Hand.

    Zum Ancient Trance Festival im Sommer 2014 fand der Kongress der Internationalen Maultrommelgesellschaft (International Jew’s Harp Society, IJHS) statt. Mehr als 30 internationale Maultrommel-Fachleute trafen sich zu dieser Gelegenheit in Taucha. Sie hielten Vorträge, spielten Konzerte, diskutierten miteinander und gaben Workshops. Zusammen mit der Konferenz ist auch der Wanderpokal „Weltzentrum der Maultrommel“ an DAN MOI und somit nach Taucha vergeben worden. Der Ort, der als nächstes diesen Kongress ausrichtet, wird den Pokal dann von Taucha übernehmen.

    Der Pokal "Weltzentrum der Maultrommel" der International Jew´s Harp Society befindet sich seit 2014 in Taucha bei Leipzig.

    Das Ancient Trance Festival, das das nächste Mal 2019 im August stattfinden wird, bleibt ein Magnet und Treffpunkt für Maultrommel-Spezialisten. Schlendert man über das Festivalgelände, trifft man nicht nur Clemens Voigt und Sven Roxi Otto, sondern auch Maultrommelvirtuosen wie z.B. Áron Szilágyi und Neptune Chapotin. Inzwischen kann es auch außerhalb der Festivalzeit passieren, dass man einen der wichtigsten Maultrommelspieler der Welt durch die Straßen von Taucha oder Leipzig spazieren sieht. Spiridon Shishigin ist in letzter Zeit häufiger für Konzerte und Workshops in Deutschland anzutreffen, denn – vielleicht dank des geheimen Magnetismus von Taucha – Spiridons Tochter Maria lebt und arbeitet seit knapp vier Jahren mit ihrer Familie ganz in der Nähe von Taucha. Sie ist selbst eine ausgezeichnete Maultrommelspielerin und darüber hinaus Friedensbotschafterin.

    Zur Weltpremiere von Diego Pascal Panarellos Film „The Strange Sound of Happiness“ im November 2017 begrüßten Spiridon und Maria Shishigin die Gäste in festlicher, jakutischer Kleidung und mit Maultrommelmusik auf der Khomus. Dass die Weltpremiere eines neuen Dokumentarfilms über die Maultrommel ausgerechnet wenige Kilometer von Taucha entfernt stattfand, ist eines der jüngsten, höchst erfreulichen Zeichen für die Anziehungskraft, die von dem Pokal „Weltzentrum der Maultrommel“ und inzwischen vielleicht sogar von Taucha selbst ausgeht.

  • Die Flöte Moseño: Eine Rarität aus den Anden

    Die Flöte Moseño ist ein ganz besonderes, sphärisches Instrument. Flötistinnen und Flötisten schätzen sie wegen ihres warmen, sehr luftigen Klanges, der im Stande ist, tiefe Ruhe in die Umgebung zu bringen. Deshalb eignet sich das Instrument auch für Meditationen - ob für sich selbst oder für andere gespielt. Die Moseño ist leicht zu erlernen: mit ihren sechs Grifflöchern und einer einfachen Anblasvorrichtung fordert sie keine jahrelange Übung. Der argentinische Musiker Pablo Salcedo von der Gruppe Markama spielt leidenschaftlich gern Moseño. Ihn faszinieren die sanften, tiefsonoren Töne. 

    Moseno Bambusflöte

    Das Besondere an der Moseño ist ein Luftrohr, das auf das Schallrohr aufgesetzt ist. Diese Vorrichtung, die allein dazu dient, die Atemluft des Spielers oder der Spielerin an das äußerste Ende der Flöte zu transportieren, stammt von den traditionellen Moseños wie sie in Bolivien gespielt werden. Dort können die Moseños eine Rohrlänge von über zwei Metern erreichen. Sie klingen dann ganz besonders tief und hauchig. Das aufgesetzte Luftrohr erleichtert es dem Spieler die Grifflöcher zu erreichen, die sonst zu weit entfernt wären vom Mundstück. Deshalb wird die Moseño wie eine Querflöte gehalten. Für das Instrument sind verschiedene Schreibweisen geläufig: Moxeño, Mohoceño oder Moceño.

    Die Moseño in Bolivien

    In Bolivien werden Moseños zu öffentlichen Festen im Freien gespielt. „In der Regel erklingt nicht nur ein Instrument. Die Moseño wird in Gruppen von zehn, zwanzig oder mehr Instrumenten gespielt. Es gibt sie in vier Größen: die größte wird Salliwa genannt, danach kleiner werdend heißen Moseños Eraso, Licu und Chili“, schreibt Pablo Salcedo in einer Email an DAN MOI. Vorwiegend musizieren Männer auf den Moseños. Berühmt als ihr Ursprungsort ist die bolivianische Provinz Inquisivi, etwa fünf Autostunden östlich von Boliviens Hauptstadt La Paz gelegen. Dort finden jährlich die Mohoseñadas statt. „Traditionell werden die Moseños von Huancara-Trommeln und einer Imilla begleitet. Imilla ist eine hohen Oboe (ähnlich einer Chirimia) mit einem kreischenden Klang“, beschreibt Pablo. Zur Musik der Moseños tanzen junge, unverheiratete Menschen auf den Straßen.

    Die Mohoseñada (auch bekannt unter Moseñada) ist ein ritueller Tanz der Kultur der Aymara, der während der Regenzeit gespielt wird, also vornehmlich im Monat Februar. Er ist der Jugend und der Fruchtbarkeit der Erde gewidmet. Auch wenn die Kartoffelpflanzen lila und weiß erblühen, wird die Mohoseñada als Zeichen der Dankbarkeit an die Pachamama, die Mutter Erde, getanzt. Die Tänzer_innen tragen starke, markante Farben: rote oder grüne Röcke, gelbe oder rote Blusen. Ihr bewegungsreicher, ausgelassener Tanz steht für die Blüte und Kraft der Jugend. Inzwischen sind Tanz und Instrument so beliebt, dass sie in vielen Orten in der Region um La Paz gepflegt werden. Offizielle Anerkennung fand die Mohoseñada im Feburar 2011, als sie zum Immateriellen Kulturerbe von La Paz erklärt wurde.

    Andenmusik, Meditation und Geheimtipp für Flötenexperten

    Pablo Salcedo, der seit 1994 mit der Latin-Folk-Gruppe Markama spielt, beschreibt den Klang der Moseño als heilsam, voller Verständnis und Liebe. Die Moseño sei ein Instrument mit einer unglaublichen Persönlichkeit. „Bemerkenswert ist die Ausdruckskraft der Moseño, wenn sie zum Meditieren gespielt wird. Der Klang zieht nicht nur das Publikum in seinen Bann, sondern auch den Flötisten oder die Flötistin selbst. Das ist wirklich zauberhaft.“ Tatsächlich wird die Moseño gern für Musik verwendet, die zur Entspannung dient. Auch zur Unterstützung von Yoga Übungen oder Reiki und zum Meditieren werden die warmen Klänge der Moseño sehr geschätzt.

    Für Freunde der lateinamerikanischen Flötenmusik, ist die Moseño eine ganz besondere Spezialität. Sie ist ein Blickfang und begeistert gleichzeitig durch ihren warmen Klang. Auf ihr können alle bekannten Melodien aus der lateinamerikanischen Folklore gespielt werden. Getragene, langsame Stücke entfalten genauso ihre Wirkung wie schnellere Stücke aus dem Repertoire der Andenmusik. Auch der argentinische Flötenexperte Uña Ramos hat die Moseño gern gespielt. Die chilenische Gruppe Illapu benutzte die Moseño in einigen ihrer Stücke. Bekannt geworden sind vor allem die Lieder „Labradores“ und „Tristeza Incaica“. Beide Stücke betonen die melancholische Klangfarbe der Moseño. Sie erinnern daran, dass die Moseño in den Anden Boliviens auch auf Beerdigungen gespielt wird.

    Bisher ist die Moseño noch ein Geheimtipp unter Flötenfans. „Es ist ganz schön schwer ein Instrument von guter Qualität zu bekommen“, schreibt der Flötist und Begründer des World Flutes Festival Pablo Salcedo. Vielleicht ist das ein Grund dafür, weshalb sie bisher nur recht selten in Musikgruppen gespielt wird, die keinen unmittelbaren Bezug zu lateinamerikanischer Folklore haben. Jedoch ist auf ihr alles möglich. Das brasilianische Duo Portal malt mit der Moseño eine geheimnisvolle akustische Landschaft.

    Die Moseño ist diatonisch gestimmt. Gehalten wird sie wie eine Querflöte. Lange Instrumente legen die Flötisten manchmal auf der Schulter ab. Um die Flöte zum Klingen zu bringen, bläst man durch eine runde Öffnung am Luftrohr. Der Atemstrom wird durch das Rohr bis zum oberen Ende der Flöte transportiert. Dort trifft die Luft auf einen sogenannten Kernspalt, durch den der Flötenton entsteht. Die Moseño funktioniert in ihrer Tonerzeugung also genauso einfach wie eine Blockflöte. Den Ton gestalten kann man, indem die Luft mit unterschiedlich viel Druck in den Luftkanal geblasen wird. Die Moseño hat Ähnlichkeit mit der slowakischen Fujura. Diese sehr lange Hirtenflöte wird ebenfalls durch einen aufgesetzten Luftkanal gespielt. Die Fujara jedoch wird beim Spielen senkrecht gehalten.

    Vielleicht ist die Moseño in der westlichen Welt auch das Instrument der zelebrierten Einsamkeit und der Sehnsucht. Vor allem die großen, tiefen Flöten haben ihren Weg aus den bolivianischen Bergen in die Großstädte der Welt gefunden. Pablo Salcedo beschreibt ihre magische Wirkung, wenn er sagt: „Man kann die Moseño auch fabelhaft nur für sich alleine spielen und dabei einen meditativen Moment schaffen. Es spiegelt die spirituelle Beziehung wider, die zwischen Mensch, Natur und der Unermesslichkeit der Berge besteht.

    Die Moseños in unserem DAN MOI Shop wurden von einem Instrumentenbaumeister aus Portugal hergestellt, der sein Handwerk in Südamerika gelernt hat. Unsere Moseños sind aus europäischem Bambus, das Material ist also an die hiesigen klimatischen Bedingungen angepasst. Die Flöten sind von Spitzenqualität. Die Anfertigung eines Instruments dauerte etwa ein Jahr.

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