deutsch
english

Der DAN MOI Blog ♫

In unserem Blog schreiben wir über uns, über Maultrommeln und andere Instrumente, über Veranstaltungen und Künstler, die mit unseren Instrumenten zu tun haben.

  • Maultrommel-Festival-Kalender 2019

    1. – 2. Februar Parmupillifestival, EST
    10. – 12. Mai Gjovik Music Week, NO
    18. Mai La Fete de la Guimbarde, FR
    20. – 23. Juni Marranzano World Fest, I
    26. – 28. Juni North American Jaw Harp Festival, USA
    4. – 7. Juli Rudolstadt Festival, D
    19. – 21. Juli Le Reve de l´Aborigene, FR
    8. – 11. August Ancient Trance Festival, D
    23. – 25. August Krutushka Festival, RU
    20. – 22. September Norwegian Jew´s Harp Festival, NO
    28. Dezember Global Vibes Festival, HU
    Februar 2020 World Mouth Harp Festival, INDIA
    August 2020 International Jew´s Harp Festival and Congress, CHINA (tbc)

    MAI 2019
    10. – 12. Mai Gjovik Music Week, NO
    18. Mai La Fete de la Guimbarde, FR

    Im Mai eines jeden Jahres zieht es die norwegische Maultrommel-Szene und internationale Folkmusikliebhaber*innen zur Music Week nach Gjovik. Dort kann man nicht nur das Maultrommelschmieden und Maultrommelspielen lernen. Es werden auch Kurse auf den Instrumenten Langeleik, Flöte, sowie Tanz und Gesang angeboten. Das Treffen findet vom 10. bis 12. Mai 2019 in Gjovik statt.

    Am 18. Mai 2019 findet in Frankreich erstmals ein eintägiges Maultrommel-Festival statt, La fête de la Guimbarde. Auf Initiative einiger Maultrommel-Liebhaber*innen und dem lokalen Tourismusverbands Vertolaye (in Zentralfrankreich) wird ein Festivaltag auf die Beine gestellt, bei dem sechs Maultrommel-Künstler*innen Konzerte spielen, u.a. Aron Szilágyi, Tikaille und Amaury le Barde. Angeboten werden außerdem Workshops mit verschiedenen Maultrommelschmieden und Workshops für Maultrommelspieler*innen. Für Vorträge angemeldet haben sich außerdem Harm Linsen und Luc „Tchen“ Yayer.

     

    JUNI 2019
    20. – 23. Juni Marranzano World Fest, I
    26. – 28. Juni North American Jaw Harp Festival, USA

    Marranzano, das sizilianische Wort für die Maultrommel, ist Namensgeber für das dortige Maultrommel-Festival. Das Marranzano World Fest findet regelmäßig im Sommer statt. Veranstaltet und ehrenamtlich organisiert wird es von dem Musiker und Musikethnologen Luca Recupero aus Catania, der u.a. durch die Band IPERcusSONICI bekannt ist. Luca verfolgt die Spuren der Maultrommel in der Geschichte Siziliens und versucht die Tradition um das Hosentaschen-Instrument wieder aufleben zu lassen. Die zehnte Ausgabe des Festivals findet 2019 vom 20. bis 23. Juni in Catania statt. Als Gäste haben sich bisher angemeldet Tran Quang Hai, Aron Szilágyi, sowie mehrere spannende sizilianische Bands und Musiker*innen wie Jacarànda, Matilde Politi und Maura Guerrera.

    Ein Maultrommeltreffen wird regelmäßig auch in Nordamerika ausgerichtet, das North American Jaw Harp Festival. Es findet 2019 vom 26. bis 28. Juni zum 24. Mal in Cottage Grove, Oregon statt. Organisiert wird es von einer Gruppe Maultrommelfans, die in verschiedenen Orten der USA leben. Zum Festival werden Konzerte, eine Open Stage und Workshops angeboten.

    JULI 2019
    4. – 7. Juli Rudolstadt Festival, D

    Der weißhaarige Folk-Fan der ersten Stunde begegnet dem 15-jährigen Neohippiemädchen, der Wissenschaftler für Alte Musik dem Neo-Jazz-Experten“, schreibt der Weser Kurier über Deutschlands größtes Weltmusikfestival. Das Rudolstadt Festival ist außerdem eines der wichtigsten Festivals für Folk und Weltmusik in Europa. Rudolstadt wird umschwärmt von Tausenden Festivalbesucher*innen. Pro Tag sind es über 25.000 Menschen, die für das besondere Flair und die ausgewählte Musik Jahr für Jahr wieder kehren. Knapp 30 Bühnen sind über die gesamte Stadt verteilt: im Park in der Nähe der Saale, auf dem Marktplatz und in kleinen Höfen der Innenstadt, und nicht zuletzt hoch über der Stadt auf der Heidecksburg. Im Schnitt sind dort über 120 Bands und Künstler*innen aus über 40 Ländern an vier Tagen zu erleben. Eine musikalische und kulturelle Dichte, die so kaum ein zweites Mal zu finden ist. 2019 wird durch den Länderschwerpunkt Iran persische Musik im Mittelpunkt stehen. Das Festival beginnt wie immer am ersten Donnerstag im Juli, vom 4. bis 7. Juli 2019.

    AUGUST 2019
    8. – 11. August Ancient Trance Festival, D
    23. – 25. August Krutushka Festival, RU

    Das Ancient Trance Festival (ATF) in der umtriebigen Stadt Taucha bei Leipzig ist bei Weltmusik- und Maultrommelfans als feste Größe gebucht. Gestartet ist das ATF vor gut 15 Jahren als kleiner, kompakter Konzertmoment für Maultrommelmusik. Transzendente, handgemachte Live-Musik, umweltbewusstes Feiern und Workshops zum Mitmachen: das Konzept des Festivals war so erfolgreich, dass sich das Wochenende im August im Festivalbetrieb etabliert hat. Das Festival-Team arbeitet nach den Grundprinzipien der Soziokratie, selbstbestimmt und im bewussten Umgang mit den Kräften der Natur und der Festivalgestaltenden. Deshalb gönnt sich das ATF Team regelmäßig ein Jahr Pause, denn auf die Beine gestellt wird es von allen Mitwirkenden in ihrer Freizeit. In diesem Jahr findet das Festival zum 10. Mal statt. Vom 8. bis 11. August 2019 besuchen dann unter den diversen Weltmusik Bands und Solokünstler*innen so einige Maultrommelvirtuosen Taucha. Fest zugesagt haben bisher: Airtists, UUTAi und Vassvik.

    Eine feste Größe im Maultrommel-Festival-Kalender ist weiterhin das Krutushka Festival, das regelmäßig im August in Russland stattfindet und vor allem die Weltmusik-Szene aus den russisch-sprachigen Ländern abbildet. Dabei sind immer auch ausgezeichnete Maultrommelspieler*innen.

    SEPTEMBER 2019
    20. – 22. September Norwegian Jew´s Harp Festival, NO

    Eine der lebendigsten Maultrommel-Szenen in Europa gibt es in Norwegen. Deshalb ist es kein Wunder, dass ein weiteres Highlight im europäischen Maultrommelkalender das Norwegische Maultrommelfestival ist. In diesem Jahr findet es vom 20. bis 22. September in Rauland in der Provinz Telemark im Süden Norwegens statt. Die Einladung zu diesem Festival spricht das 1998 ins Leben gerufenen Norwegian Jew´s Harp Forum (Norsk Munnharpeforum) aus. Dank der Bemühungen des Forums gibt es Jahr für Jahr zahlreiche Möglichkeiten für den kontinuierlichen Wissensaustausch rund um das Thema Munnharpe. Zum Norwegischen Maultrommelfestival treffen sich jährlich im September die über 150 Mitglieder des Forums und zahlreiche internationale Gäste. Neben Konzerten und Workshops tauschen sich Maultrommelspieler*innen über Spieltechniken, Musikstücke, Maultrommeln und Neuigkeiten aus der Szene aus. Das Festival fand 1995 zum ersten Mal statt.

    FEBRUAR 2020 World Mouth Harp Festival

    Das wichtigste Podium für Maultrommel-Musik im südlichen Asien ist das World Mouth Harp Festival in Goa, Indien. Organisiert wird es seit 2013 von dem Musiker und Maultrommelspezialisten Neptune Chapotin. Das Festival findet regelmäßig im Januar statt und ist das nächste Mal für 2020 angekündigt. Man trifft dort aufregende Musik aus verschiedenen Regionen Indiens, z.B. aus dem südindischen Bangalore, den nördlich gelegenen Provinzen Rajasthan und Gujarat, oder Assam. Neben Maultrommelvirtuosen betreten dort auch Musiker*innen mit diversen indischen Musikinstrumenten, sowie Beat Boxer und Didjeridoo Spieler*innen die Bühne.

    AUGUST 2020 International Jew´s Harp Festival and Congress, CHINA (tbc)

    Das anvisierte Treffen von Maultrommelspieler*innen, Maultrommelschmied*innen und Wissenschaftler*innen folgt dem Kongress, der das letzte Mal 2014 in Taucha stattfand. Damals trafen sich mehr als 30 internationale Maultrommel-Fachleute für Vorträge, Konzerte, Diskussionen und Workshops in Taucha parallel zum Ancient Trance Festival. Zusammen mit der Konferenz wird auch der Wanderpokal „Weltzentrum der Maultrommel“ aus Taucha weiter nach China wandern. Denn der Ort, der den Kongress ausrichtet, wird den Pokal erhalten. Das erste Zusammentreffen dieser Art fand übrigens 1984 in Iowa City in den USA statt.

    Einzelne Veranstaltungen

    Der Österreichische Maultrommelverein veranstaltet regelmäßig Konzerte in Oberösterreich, u.a. in Molln und auf Schloss Feldegg.

    Nicht unerwähnt bleiben sollen die Veranstaltungen der Japanischen Maultrommel-Gesellschaft Nihon Koukin Kyoukai in Tokio, die maßgeblich von Leo Tadagawa organisiert werden.

  • Die Königin der Flöten: Die Bassflöte Fujara

    Als der Parlamentspräsident (und spätere Staatspräsident) der Slowakei Ivan Gašparovič 1995 das Kulturzentrum der slowakischen Stadt Detva feierlich eröffnete, bereitete er den Gästen auf dem Empfang ein erinnerungswürdiges Geschenk: er nahm die Einladung eines Gastgebers an, eine Melodie auf der in der Region beheimateten Flöte Fujara zu spielen. Ohne zu zögern setzte Gašparovič an und bot ein Stück auf der mannshohen Bassflöte dar. Keine andere Geste hätte besser vermitteln können, wie stark sich Gašparovič mit der slowakischen Kultur verbunden fühlt. 

    Foto von Tibor Szabó.

    Die Kleinstadt Detva, gelegen in einer Talsenke am Fuße der Westkarpaten in der Zentralslowakei, ist bereits seit den 1960er Jahren als Zentrum gelebter slowakischer Folklore bekannt. Detva ist auch die Wiege der Hirtenflöte Fujara. Im Gedächtnis der Slowaken hat die Fujara den Gedanken an nationale Souveränität und Unabhängigkeit bereits ganze 300 Jahren lang betragen. Mit der Gründung der Slowakei 1992 avancierte die Fujara dann nicht nur zum kulturellen, sondern auch zum nationalen Wahrzeichen. Ausdruck dieser Symbolträchtigkeit ist nicht zuletzt, dass Ivan Gašparovič seinen Staatsgästen gern eines dieser ausgefallenen Instrumente als Geschenk überreichte. Wir betrachten die Fujara in diesem Spannungsfeld zwischen nationaler Verankerung, kultureller Anpassungsfähigkeit und zeitbasierter Neuorientierung.

    Es ist ihre auffallende Größe, ihre Bauform und ihr Klang, die sie unter den europäischen Flöten zu etwas ganz Besonderem macht: die Fujara tönt dunkel, weich und organisch, gleichzeitig aber auch agil, fremd und futuristisch durch die beißend hohen Obertöne auf bis zu vier Oktaven. Die Melodien entstehen durch die geschickte Kombination von Grifftechniken und dem Überblasen der Grundtöne. So werden Klänge wach, die rauschen, strömen, sanft aufkreischen, rufen und dabei immer wieder in flüsternden Klangfarben in sich ruhen.

    Instrument der Räuber und der Schäfer

    Zu den slowakischen Fujara Meistern gehören u.a. Pavol Smutný, Tibor Kobliček, Juraj Kubinec und Dušan Holík. Sie beherrschen die überlieferte Spielweise. Traditionell bezieht sich die Fujara auf ein überliefertes Repertoire von Hirten- und Banditenliedern. Ja, Wegelagerer und Räuber waren auch Wegbegleiter der Fujara. Sie sollen – so erzählt es die Geschichte der Zentralslowakei – auf den Weiden und in den Wäldern gewissermaßen in Nachbarschaft mit den Schafhirten der Region gelebt haben. Die Hirten hüteten ihre Schafe in Begleitung von Musik und spielten auf unterschiedlichsten Flöten. Am bekanntesten sind zwei von ihnen: die kleine Koncovka und die große Fujara. Die Koncovka wird manchmal als kleine Schwester der Fujara bezeichnet. Sie ist ca. 50 cm lang und besitzt keine Grifflöcher. Die Töne werden allein durch Überblasen sowie durch Öffnen und Schließen der unteren Öffnung der Flöte erzeugt. Die größere Flöte, die Fujara, galt als Instrument des Herdenführers und obersten Schafhirten. Die kleinere Koncovka wurde eher von seinen Gehilfen gespielt. Auch deshalb wird die Fujara als „die Königin der slowakischen Musikinstrumente“ bezeichnet.

    Die oben erwähnte Nähe von Schäfern und gesellschaftlichen Außenseitern hat sich im Repertoire slowakischer Lieder niedergeschlagen: Die Lieder berichten nicht nur vom Leben in der Natur und bekräftigen ein humanes, aufrichtiges Miteinander; es sind auch improvisierte Stücke, die den Lauf des Flusses oder das Rauschen der Wälder nachempfinden. Die entrechteten Menschen, die außerhalb der Dörfer wohnten, brachten den Ruf nach Gerechtigkeit und Freiheit, gegen Besetzung und Unterdrückung in das Liedgut ein. Sie sind es auch, die heute als erste Verfechter slowakischer Unabhängigkeitsbestrebungen gelten. Ihr bekanntester Vertreter war der Räuber Juraj Jánošík, der heute als Nationalheld geachtet wird.

    Fujara Spieltechnik & Repertoire

    Das überlieferte Liedgut für die Fujara kombiniert Instrumentalspiel und Gesang. Die Fujara-Spieler waren und sind deshalb auch gute Sänger*innen. Eine Aufführung beginnt in der Regel mit dem markanten Anfangsmotiv, einem Signal, das rozfuk genannt wird. Dabei wird vom höchsten Ton der Flöte eine Tonfolge abfallend bis zum tiefsten Klang des Instruments gespielt. Traditionell wird auf der Fujara eine 12-tönige, mixolydische Skala gespielt. Auf die Anblasformel rozfuk folgt die erste Strophe, die auf der Flöte mit reichhaltigen Improvisationen, frei umspielt wird. Danach setzt der Fujara-Spieler ab und singt die Strophe noch einmal, um den Text zu Gehör zu bringen. Ein Beispiel für diese traditionelle Vortragsweise gibt der Meister Ladislav Libica in einer Aufnahme des Liedes „Kade idem, vsade trniem“, „Wohin ich auch gehe, erzittere ich“:

    Imposant ist die Größe der Fujara. Ihr Schallrohr misst bis zu zwei Meter. Es ist selten kürzer als 1,40 m. Der Spieler oder die Spielerin hält das Instrument senkrecht vor dem Körper. Wegen ihrer Länge werden Fujaras mit Hilfe eines am Instrumentenkorpus befestigten Anblasrohrs gespielt, das das Anspielen vereinfacht. Die Anblastechnik ist ähnlich der Vorrichtung an den Moseño Flöten aus Südamerika. So lässt sich auch die Fujara (ebenso wie die Moseño) relativ leicht anspielen. Der Ton entsteht wie bei einer Blockflöte durch eine sogenannte Kernspalte. Man bläst Luft durch das Rohr und es entsteht sofort ein Ton. Die Herausforderung, um die Fujara gut zu spielen, ist dann die Töne durch Griff- und Atemtechnik gut zu führen und anzuspielen.

    Die Fujaras besitzen drei vorderständige Grifflöcher. Die Grifflöcher befinden sich bei der Fujara im unteren Drittel der Instrumente. Der Spieler bzw. die Spieler*in muss ihre Arme oft etwas strecken, um die Grifflöcher zu erreichen. Der Mittelfinger der linken Hand bedeckt das oberste Griffloch. Die rechte Hand wird zu den beiden unteren Tonlöchern geführt; der Daumen der rechten Hand überdeckt das mittlere Griffloch und ihr Mittelfinger das untere Tonloch. Fujaras besitzen generell kein Griffloch für den Daumen auf der Rückseite des Rohrs. Ein Video schaut dem 2017 verstorbenen, sehr anerkannten Fujara-Meister Dušan Holík auf die Finger:

    Über die Ursprünge der Fujara weiß man bisher leider nur sehr wenig. Als sicher gilt, dass der Bau der Instrumente und ihre Verwendung ins 17. und 18. Jahrhundert datiert werden können. Möglicherweise spielten bei ihrer Entwicklung andere Musikinstrumente aus der Kunstmusik eine Rolle. Das Bassoon und die barocke Bassblockflöte für den Bau von Fujaras Anregung geboten haben.

    Die Fujara im 21. Jahrhundert

    Jede Fujara ist etwas Besonderes, ein Unikat. Die Instrumente werden von Hand gebaut, deshalb folgt jedes einzelne einer individuellen ästhetischen und klanglichen Konzeption. Die Bauweise der Instrumente wurde im Laufe der Jahre, der Nachfrage folgend, beständig an die Bedürfnisse der Musiker*innen angepasst. Heutige Instrumente werden den aktuellen Anforderungen gerecht, sie sind trotz ihrer Länge gut transportabel, einwandfrei gestimmt und dadurch auch mit anderen Instrumenten kombinierbar. Auch der Abstand der Grifflöcher ist im Vergleich zu älteren Instrumenten etwas komfortabler.

    Die DAN MOI Fujaras sind 150 cm oder 170 cm lang und aus Holunderholz gefertigt. Sie sind von handwerklich höchster Qualität, sauber gestimmt und sorgfältig behandelt, um garantiert lange damit Freude zu haben. Gestimmt sind die Flöten auf die vier Grundtöne A2, B(H)2, C#3 und D3 oder G2, A2, B(H)2 und C3. Intuitiver lässt sich die neuentwickelte Fujara Integral spielen, mit der man herrlich improvisieren kann. Die Skala kann noch um viele Töne der Obertonreihe erweitert werden. Indem der Spieler oder die Spielerin die Atemluft unterschiedlich stark in das Instrument bläst, können durch die Technik des „Überblasens“  weitere Töne der Obertonskala angesteuert werden. Gebaut hat die Fujaras von DAN MOI ein slowakischer Instrumentenbauer, der in Tschechien seine Werkstatt hat. Die Fujaras sind mit einem filigranen Ornament im oberen Teil der Flöte geschmückt. Die Oberfläche der Flöte ist mit Leinöl behandelt. An den Instrumenten von DAN MOI ist außerdem eine Klappe angebracht durch die das Kondenswasser, das beim Spielen entsteht, abgelassen werden kann.

    Heute gibt es viele Fujara Spieler – und das nicht nur in der Slowakei, sondern auch in anderen Ländern Europas und auf dem amerikanischen Kontinent. Inzwischen sind es nicht die Hirten, die Fujara spielen, es sind Menschen, die z.B. als Ärzte, Lehrer, Elektriker oder Anwälte in Städten leben. Neue Kompositionen für die melancholischen Bassflöten entstehen. Bereits seit vielen Jahren haben auch Musiker*innen aus den Bereichen Jazz- und Weltmusik die Fujara entdeckt und bringen sie in verschiedensten Kontexten zum Klingen. Musiker wie Marco Trochelmann, Bernhard Mikuskovics oder Max Brumberg machen die Fujara über ihre nationalen Grenzen bekannt. Die Fujara mit ihrem berührend tiefen Klang wird inzwischen auch zu therapeutischen Zwecken und zur Meditation eingesetzt.

    In der Slowakei selbst ist die Aufmerksamkeit für die Fujara, parallel zur 1993 gewonnen Unabhängigkeit der Slowaken, noch einmal signifikant gestiegen. Nachdem bereits in den 1960er Jahren mit der Gründung von Folklore-Festivals und instrumentenkundlichen Forschungen ein erster Aufschwung wahrnehmbar war, folgte seit 1975 ein Fujara-Wettbewerb für Spieler und Instrumentenbauer, der als Ausgangspunkt für die Renaissance des Instruments gilt. Die Fujara wurde in der ganzen Slowakei bekannt, behielt jedoch ihr traditionelles Zentrum in der Zentralslowakei, in der Region Podpol’anie, bei.

  • Die Akustik der Maultrommel: Robert Vandré und die Faszination der Maultrommel-Physik

    Was hat das Maultrommelspielen mit dem Sprechen zu tun? Robert Vandré sagt, man lerne viel über die Maultrommel, wenn man sich mit den physiologischen und physischen Vorgängen des Sprechens beschäftigt. Es gibt ähnliche Mechanismen, die sowohl beim Sprechen als auch beim Maultrommelspielen den Klang bilden, z.B. die Bewegung der Zunge oder die verschiedenen Resonanzräume im Kopfbereich. Robert Vandré ist Hobbymusiker und seit über 20 Jahren auch Maultrommel-Akustiker. Vandré ist Autor einer Maultrommelschule und eine Instanz für detailbegeisterte Maultrommelspieler*innen, denn er hat das Instrument bis ins Mark untersucht und vermessen. Bisher existieren nur wenige Studien über die akustischen Parameter der Maultrommel. Seine seit 2002 betriebene Webseite rvandre.de gehört zu den wenigen Quellen, die die Schalleigenschaften der Maultrommel auf Grundlage handfester Zahlen umfassend analysiert. Deshalb ist sie ein Schatz für Instrumentenkundler*innen und Akustiker*innen, aber gleichzeitig auch eine Fundgrube für Maultrommelspieler*innen, die tiefer in das Instrument und seine Funktionsweise einsteigen wollen. Helen von Dan Moi traf Robert 2017 zum Ancient Trance Festival in Taucha.

    Quelle: http://rvandre.de/toene.html.

    Der naturwissenschaftliche Ansatz

    Die akustischen Bedingungen für die Maultrommeln haben mich sehr interessiert. Ich bin Naturwissenschaftler, Ökologe, arbeite als Bodenkundler und Botaniker. Musik ist mein Hobby. Ich hab also einen ganz anderen Zugang zu den Instrumenten, als viele andere Maultrommelspieler. Mich interessiert schon wie sich das anfühlt und was die Maultrommelmusik mit der Seele macht. Aber ich nehme die einzelnen Faktoren auch auseinander und will wissen wie die Instrumente physikalisch funktionieren. Ich bin eher der Techniker, der sagt, das ist Rhythmus, das Melodie, das macht das Zwerchfell, das machen die Finger, das macht der Atem, das ist Artikulation. 

    Robert Vandré hat die Maultrommel akustisch untersucht, gemessen und Daten ausgewertet. Er nahm die Töne einer Maultrommel auf und fertigte mit Hilfe eines Computerprogramms Frequenzspektren dieser Töne an. Die Spektren bilden die Obertöne ab, die in einem Maultrommelton mitschwingen. Bereits seit dem Jahr 2002 betreibt Robert Vandré seine Webseite rvandre.de, auf der er diese Untersuchungen dokumentiert und öffentlich zugänglich macht. Man sieht in den Grafiken, welche Obertöne in einem Klang wie stark ausgeprägt sind und versteht dadurch wie sich ein Klang physikalisch zusammensetzt. Das Ergebnis der Untersuchungen sei verblüffend gewesen, sagt Robert Vandré, „ich war sehr überrascht, wie regelmäßig das Muster des Klanges ist, den die Zunge der Maultrommel generiert.“ Anhand seiner Messungen lässt sich nachvollziehen, wie die Maultrommel funktioniert: Maultrommeln haben jeweils einen Grundton, alle weiteren Töne der Maultrommel sind Obertöne dieses Grundtons, die durch den Maultrommelspieler durch gezielte Bewegungen des Mund- und Rachenraums angesteuert werden können. 

    Die Maultrommel habe ich vor vielen Jahren mal auf einem Festival entdeckt. Dort gab es Schwarz-Maultrommeln aus Österreich. So eine habe ich mir damals gekauft und darauf ein bisschen rumgeschnarrt. Ich dachte zuerst an Snoopy von den Peanuts, der spielt ja Maultrommel, zum Beispiel spielt Snoopy im Bus. Also habe ich mit meiner Maultrommel rumprobiert und bin so weit gekommen, dass ich Melodien spielen konnte, die die anderen Menschen in meiner Umgebung erraten mussten. Dann ist das Instrument erst mal jahrelang liegengeblieben und bei mir in Vergessenheit geraten, bis ich nach Frankfurt auf die Musikmesse fuhr. Auch das ist jetzt schon viele Jahre her. Dort gab es einen Stand mit ungarischen Maultrommeln von Szilágyi. Ich hab mir eine gekauft und schon auf der Zugfahrt nach Hause hat es mich total gepackt: es war richtig klasse mit einer guten Maultrommel zu spielen und darauf Sachen auszuprobieren. Und so bin ich dann richtig neugierig geworden: wie funktioniert so eine Maultrommel, was steckt physikalisch dahinter? Ich begann rumzuprobieren, mir Gedanken zu machen und Sachen zu lesen, z.B. von Sprachwissenschaftlern, die beschreiben wie im Vokaltrakt ein Ton entsteht und geformt wird." 

    Die richtige Maultrommel finden

    Das akustische Interesse bleibt nicht nur theoretisch. Robert Vandré hat seine eigene Technik entwickelt, wie er Maultrommeln verbessert, die nicht so gut klingen. „Ich spiele sehr gern die Maultrommeln aus der Werkstatt von Josef Jofen, der heute leider keine Maultrommeln mehr baut, weil er in Rente gegangen ist. Dann spiele ich gern Schlütter- und Szilágyi-Maultrommeln, die sind beide sehr gut. Wenn mal eine nicht so gut klingt, dann habe ich das Ende der Zunge, das man mit den Fingern anschlägt, mit der Zange etwas gekürzt und wieder krumm gebogen. Dann stimmt zwar die Tonhöhe nicht mehr, aber das war mir egal, es sind heute meine besten Maultrommeln.

    Ein gutes Instrument zu finden, ist bereits für Anfänger*innen ganz wichtig. Aber wie findet man ein gutes Anfängerinstrument? „Wenn man die Gelegenheit hat, ist es auf jeden Fall gut an einem Stand, wo es Maultrommeln gibt, einige auszuprobieren“, empfiehlt Robert Vandré. „Wichtig ist ein Instrument mit einer weichen Zunge zu wählen, damit die Instrumentenzunge nicht mit zu viel Energie an den Zähnen schwingt. Die Maultrommel sollte dabei trotzdem einen guten Klang haben.“ Für Robert liegt das Geheimnis einer guten klingenden und gut spielbaren Maultrommel in der Länge des abgebogenen Teils der Zunge. Dieser sollte wie oben beschrieben kurz sein, damit die Gegenschwingung nicht so stark ausfällt, denn dann kann das Instrument einen schönen Klang entfalten.

    Quelle: http://rvandre.de/spieltechnik.html.

    Mit Körperbeherrschung spielen

    Wie die meisten Maultrommelspieler ist auch Robert Vandré Autodidakt, jedoch gibt er sein Wissen inzwischen an andere weiter. Um neuen Maultrommelspielern den Einstieg zu erleichtern, hat er seine Kenntnisse in einem Kurs zusammenstellen, der auch als Heft veröffentlicht ist. Hin und wieder leitet Robert Vandré auch Workshops für Maultrommeleinsteiger oder auch für Fortgeschrittene Spielerinnen und Spieler. 

    Was mich bei der Maultrommel hält ist, dass der Klang nach innen geht und es wirklich gute Laune macht. Es ist einfach schön zu spielen. Mir macht es auch Spass die Maultrommel mit Körperbeherrschung zu spielen, d.h. mit kontrolliertem Atem wie Aron Szilágyi das fantastisch macht. Kontrollierte Rhythmen, kontrollierte Stücke, Choräle, Volkslieder, also wirklich Musik auf der Mautlrommel spielen und nicht nur Geräusche. Das ist, was mich interessiert. Ich will da richtig Musik drauf machen. Als ich die Maultrommel für mich entdeckte, kam sie als Musikinstrument im öffentlichen Raum, soweit ich mich erinnern kann, so gut wie gar nicht vor. Nur das Sprungfedergeräusch als Klangeffekt tauchte hin und wieder mal auf. Außerdem war da die Titelmelodie der Sesamstraße: aber da spielt die Maultrommel gerade einmal zwei Tönen im Rhythmus. Die Maultrommel als Melodieinstrument schien es gar nicht zu geben. 

    So wie ich das sehe, gibt es in Deutschland so gut wie keine lebendige Maultrommeltradition, höchsten dann im Alpenraum, Richtung Molln, in Österreich. Das Maultrommelspielen ist hier völlig neu erfunden worden. Wirklich wieder zum Leben erweckt hat die Maultrommel hier in Deutschland eigentlich erst die Weltmusik-Szene, genauer eigentlich jene Leute, die sich mit Spiritualität beschäftigen, also über das Gefühl den Zugang zur Maultrommel finden.“ Wirklich gute Maultrommelspieler, sagt Robert Vandré habe er erstmals 2007 gehört, beim ersten Ancient Trance Festival, das damals noch in Leipzig stattfand. „Den guten Maultrommelspielern auf die Finger schauen zu können, war der Antrieb für mich sich weiter mit Maultrommeln zu beschäftigen. 

    Hier könnt ihr Robert hören. Er spielt das Stück "Abendspaziergang":

Artikel 1 bis 3 von 96 gesamt

Seite:
  1. Zurück Zurück  |
  2. ...
  3. 32
  4. 1
  5. 2
  6. 3
  7. 4
  8. 5