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Der DAN MOI Blog ♫

In unserem Blog schreiben wir über uns, über Maultrommeln und andere Instrumente, über Veranstaltungen und Künstler, die mit unseren Instrumenten zu tun haben.

  • Die Tradition vorwärts bringen: Wie Steev Kindwald Maultrommeln baut und spielt

    Wie kaum ein anderer vereint Steev Kindwald als Musiker und Instrumentenbauer die Einflüsse verschiedenster Kulturen in sich. Einen großen Teil seiner Spieltechnik auf der Doppelföte Alghoza und den Maultrommeln hat er in Asien, vor allem in Indien und Süd-Ostasien aufgesaugt. Inspiration bieten ihm außerdem alte Instrumente; sehr alte Instrumente aus musealen Sammlungen oder gar aus archäologischen Ausgrabungen. Sein Faible für komplexe, rhythmische Strukturen verbindet Steev mit seiner Herkunft: ein Teil seiner Familie hat ihre Wurzeln in Siebenbürgen, Rumänien. Diverse Schallplattenaufnahmen, die er als Kind hörte, sollten ihm die Welt des Jazz und der Musik Indonesiens, Chinas und Japans öffnen. Steev sprach mit Helen von Dan Moi über seine Begegnungen mit Instrumentenbauern in Asien und darüber, wie er selbst an den Bau von Bambusmaultrommeln herangeht.

    Wie würdest du den Stil beschreiben, den du auf der Maultrommel spielst?

    Mountain Flamenco Gong Trance Ceremony Carpathian Rishi Monk Jogi Carnatic Jazz!!! Ich habe viele traditionelle Lieder gelernt und kombiniere ganz verschiedene Dinge miteinander. Ich versuche einzelne Elemente herauszuarbeiten: einen beweglichen Basston und ganz einfache, kurze Pattern. Diese kombiniere ich dann beim Spielen.

    Ich benutze auch rhythmische Varianten, asymmetrische Rhythmen sind meine große Leidenschaft. Vielleicht ist das der transsilvanische Einfluss, die Berge der Karpaten, wo es wirklich oft solche versetzten Rhythmen gibt. Es macht total Spaß in 15 oder 9 oder 27 oder 13 zu 4 Zählzeiten zu spielen! Jeder Rhythmus schwingt in einer Frequenz und mit der spielt man dann in den unterschiedlichsten Klangmustern.

    Der akzentuierte Atem und die Kontrolle über die Klangfarbe machen die Maultrommel zu etwas Fabelhaften. Mein Ziel ist es, die Grenzen des Machbaren immer weiter zu verschieben, indem ich zu jeder Klangebene eines Maultrommel-Songs noch eine weitere ergänze.

    Wenn ich traditionelle Melodien aus der Wüste spiele, sind die pentatonisch aufgebauten Lieder am einfachsten, aber auch am klarsten. Die Melodie ist dann richtig gespielt, wenn sie von den traditionellen Leuten wiedererkannt wird. Wenn ich ein Konzert spiele, stelle ich mir immer vor, dass Menschen, die die Tradition kennen, im Publikum zuhören. Wenn sie zufrieden sind, wie es klingt, dann ist alles richtig. Das ist meine Nagelprobe für die Qualität meiner Musik. Alles in allem: die Musik muss bis ins Herz des Publikums vordringen.

    Welche Musik hat dich inspiriert und geprägt?

    Zu allererst sind es die Klänge aus der Natur, die mich konstant inspirieren, seit ich angefangen habe, Maultrommel zu spielen. Da war ich 12 Jahre alt, also vor 37 Jahren. Ich habe gespielt, während ich im Wald spazieren ging, an den Flüssen und Seen meines Dorfes.

    Ich bin mit klassischer, westlicher Musik und Hard Bop Jazz aufgewachsen. Ich war ständig bei Bluegrass, Jazz und Blues Festivals. Ich hatte Glück, denn in unserer lokalen Bibliothek gab es Schallplatten mit ethnischer Musik, entstanden in einer Zeit, als es noch keinen Strom gab in den Gegenden, in denen sie aufgenommen wurden: Ich hörte Musik aus Kaschmir, aus dem Iran, balinesisches und javanisches Gamelan, Musik aus Marokko und Indien, Aufnahmen von Gagaku Orchestern aus China, Korea, und Okinawa, Japan.

    Diese alten zerkratzten Platten, oft mit Aufnahmen von verhältnismäßig schlechter Tonqualität, sind wirklich einzigartige akustische Zeugnisse. Mir boten sie Orientierung damals wie heute – 99 Prozent der Musik, die auf diesem Planeten gemacht wird und je in der Menschheitsgeschichte gemacht wurde, ist analoge, akustische Musik wie ich sie auf den Schallplatten meiner Jugend gehört habe.

    Die vergangenen gut 20 Jahre habe ich fast durchgängig mit Reisen verbracht, um die Musik verschiedenster Minderheiten in Asien, die Musik der Sufis, der Nomaden und der Roma kennenzulernen. Seit dieser Zeit lerne ich von Meistern der Musik und des Instrumentenbaus aus Nepal, dem tibetischen Himalaya, der indischen Wüste, der klassischen, südindischen Musik, der Musik aus dem Hochland verschiedener Teile Südostasiens oder den Genggong Ensembles in Zentralindonesien.

    Ich konzentriere mich darauf, Traditionen nicht bloß nachzuahmen, sondern sie in mein Spiel einfließen zu lassen und so eine hybride Musik zu schaffen, die im Original verwurzelt ist, gleichzeitig eine meiner Kreation und es vermag zu bezaubern.

    Wo hast du gelernt Maultrommeln zu bauen und mit wem arbeitest du beim Maultrommelbau zusammen?

    Die Anfertigung von Maultrommeln habe ich an jenem Ort gelernt, in den ich mich während eines Spaziergangs verliebt habe – in der Wüste. Seit etwa 20 Jahren bin ich eng verbunden mit den Familien von zwei Morchang Schmieden im Westen von Rajasthan. Ich sehe die ältere Generation gehen, die mittlere Generation wie sie noch aktiv und die jüngere Generation wie sie – wenn alles gut geht – die Tradition aufnehmen wird.

    Diese Leute arbeiten durchgehend mit ihren Händen. Es gibt dort keine Maschinen, nur Glühlampen vielleicht, damit man auch in der Dunkelheit arbeiten kann. Ich helfe mit; lerne von ihnen; wir suchen zusammen die Metalle aus; wir versuchen die Qualität zu verbessern; wenn sie sich ihre Augen oder Hände verletzen, ist es Zeit für eine Pause; oft koche ich für sie; wir essen und trinken zusammen; wir sehen wie die Tiere krank werden und kümmern uns um sie.

    Alles in allem ist es ein Experiment, das das ganze Leben umfasst. Natürlich fertigen diese Leute nicht ausschließlich Maultrommeln an. Tief in ihrem Inneren sind es Nomaden. Viele aus der älteren Generation sind im Alter zwischen 15 und 30 Jahren mit Eselskarren von Dorf zu Dorf gereist, haben Werkzeug repariert und selbstgefertigte Geräte aus Metall verkauft. Sie können unglaubliche Geschichten erzählen, es sind wirklich faszinierende Menschen.

    Weil sie einer niedrigen Kaste angehören, haben sie es mit allen möglichen Leuten zu tun, die Metallwerkzeuge brauchen: Hindus aus niedrigen und höheren Kasten, Muslime aller möglichen Art, Roma, Minderheiten, sogar mit Ausländern. Sie bewegen sich also wahrhaftig zwischen verschiedenen Welten. Es sind magische Menschen, auch wenn das wie ein Klischee klingt, es stimmt!

    Seit 1999 lerne, forsche und arbeite ich außerdem mit Schmieden aus Ostbali, aus einigen Regionen von Java, Westindien, Pakistan, Nepal, Burma, Thailand, Kambodscha und Japan. In den Bergen von Laos habe ich verschiedene Familien besucht. Sie stellen unheimlich detaillierte Maultrommeln aus dem Schrott von Kriegsmaterial her.

    Es wäre schwer, so etwas mit einer Maschine herzustellen. Diese Leute stellen sogar ihre eigenen Werkzeuge her! Ein großer Teil ihrer Handarbeit ist so genau, dass man es nicht mal mit einem Laser so hinbekommen würde. Sie haben Arbeitstechniken entwickelt, die fortschrittlicher sind, als so manche Maschine von heute.

    Bei einer hochwertigen Genggong aus dem Stamm einer Palme beträgt der Abstand zwischen Zunge und Rahmen etwa 0,2 mm – die bei Schweizer Uhren gerade noch akzeptable Abweichung darf 0,3 mm betragen …

    Wie baust du Maultrommeln?

    Mir ist Handarbeit am liebsten. Hin und wieder benutze ich einen Lötkolben, um damit detailreiche Muster zur brennen. Ansonsten gilt: Handarbeit und so wenig Werkzeuge wie möglich. Genauso wie es die Meister und Lehrer machen, mit denen ich in den letzten Jahren zusammen war.

    Ich werde oft gefragt, ob die Instrumente, die ich baue, traditionell sind oder von mir gefertigt wurden. Man kann den Unterschied nicht mehr erkennen. Das ist gut, es bewahrt die Ursprünge. Ich baue Maultrommeln, die ihre Wurzeln in der Tradition haben und gleichzeitig sind es Hybriden. Das hält die Tradition am Leben.

    Zur Zeit arbeite ich wie besessen an der Perfektionierung der Doppel-Genggong, mit der man zwei verschiedene Töne in einem Instrument spielen kann. So etwas gibt es in der Tradition gar nicht und genau das ist das aufregende daran.

    Du reist mit einer schuhkartongroßen Kiste, in der Duzende Maultrommeln liegen. Welche Instrumente verbergen sich in dieser “Magic Jaw Harp Box“?

    Darin befinden sich verschiedene Arten Bambus-, Palmenstamm- und Metall-Maultrommeln. Die meisten davon habe ich gebaut. Viele dieser Instrumente werden mit einem Strick in Schwingung versetzt, es sind sogenannte Zupfmaultrommeln; sie heißen Genggong in Indonesien, wo sie am bekanntesten sind.

    Diese Instrumente sind mir wirklich ans Herz gewachsen, weil sie so aufregend sind. Die Leute mögen sie, weil man mit ihnen einen schier unvorstellbaren Klang erzeugen kann und weil sie auf eine angenehme Art und Weise herausfordernd zu spielen sind.

    In der Box habe ich auch Maultrommeln, die ich aus Java und Ostbali mitgebracht habe. Viele weitere Instrumente, die ich hergestellt habe, sind nach Modellen aus der Sammlung des Ethnologischen Museums in Berlin angefertigt, mit deren Katalog ich gearbeitet habe. Die Modelle stammen aus Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Ich fertige akkurate Reproduktionen dieser Instrumente an und vergleiche diese dann mit den noch lebendigen Traditionen in Gegenden, die ich auf der Suche nach dem perfekten Klang in den vergangenen 20 Jahren fast nonstop bereist habe.

    Die erste Maultrommel, die ich als Kind besaß, war eine dieser Snoopy-Maultrommeln von dürftiger Qualität, dafür aber sehr robust. Wenn man sich wirklich bemüht auf so einem Instrument gut zu spielen, dann schafft man es trotz des breiten Spaltes zwischen Rahmen und Zunge starke Obertöne und ein Vibrato hervorzubringen.

    Wer auf einem schwer spielbaren Instrument lernt, wird ein*e ziemlich gute*r Maultrommelspieler*in werden, denn man muss das Instrument über seine Grenzen hinaus beanspruchen. Manchmal ist es also sogar besser auf einem schwer spielbaren Instrument zu beginnen, um ein Gefühl für Dynamik und Stärke zu entwickeln.

    Welche Instrumente inspirieren dich beim Maultrommelbau?

    Wenn ich ein Instrument baue, ist mein Anspruch, dass es von höchster Qualität sein soll. Ich fertige viele Hybride an, die von Maultrommeln aus dem Himalaya, aus Tibet, aus Borneo oder Sachalin beeinflusst sind. Dabei sind auch Metall-Maultrommeln, die in den vergangenen Jahren aus einem Recycling-Gedanken heraus entstanden sind. Die von mir gebauten Instrumente sind beständig und mit einem ausgezeichneten Sound ausgestattet, der die Leute inspiriert. Die Leute verlieben sich in den Klang und wer bereit ist etwas Zeit zu investieren, wird lernen, gut auf ihnen zu spielen.

    Andere Instrumente stammen aus Indien, Pakistan, China, Nepal, Laos und Japan. Ich kaufe seit Jahren bei den gleichen Schmieden und arbeite auch mit ihnen zusammen soweit das möglich ist. Mich faszinieren Menschen, die Dinge mit ihren Händen herstellen. Sie leben in echtem Kontakt mit ihrer Welt, mit den Dingen, die sie herstellen und sind dabei wirklich verbunden mit ihrer Umgebung. Sie haben unheimlich viel Wissen mit mir geteilt und haben mich dabei stark beeinflusst. Das wirkt sich z.B. so aus, dass ich meine Instrumente jetzt mit sehr detaillierten Verzierungen versehe.

    Dazu gehört auch mit Metall zu arbeiten und den Prozess der Bambusbearbeitung zu lernen (eine riesige Welt im Übrigen), damit das Material stabil und widerstandsfähig wird. Das meiste Bambus sammele ich selbst in Japan, Laos, Burma, Nepal und Nordthailand – in Indonesien sammele ich Palmstämme in den Waldgärten der Berge, das ist immer ein großes Abendteuer! Dieses Material kann man nicht in einem Laden kaufen.

    Eine bereits lang bewährte Technik ist es, Maultrommeln und andere Werkzeuge aus sehr hartem und stabilem, geräucherten Bambus von Häuserdächern zu verwenden, wo täglich Feuer gemacht wurde – mancher Bambus ist bis zu 200 Jahre alt!

    Immer, wenn ich sehe, dass ein altes, traditionelles Haus niedergerissen wird, dann ist es Zeit diesen alten Bambus für Musikinstrumente zu sammeln.

    Wie lange gibt es das Instrument Maultrommel auf der Erde Deinen Recherchen und Erfahrungen zu Folge schon?

    Es gibt Instrumente auf Papua-Neuguinea, die direkt mit der Hand geschlagen werden. Diese könnten die ältesten Vorgänger der heutigen Maultrommeln sein, weil sie mit einem einfachen, idioglotten Rohrblatt bzw. einer Zunge als Tonerzeuger gebaut sind. Ein Mensch aus der Steinzeit, wird sein Instrument eher direkt angeschlagen haben, und noch keine Schnur zu Hilfe genommen haben wie es heutig üblich ist.

    Außerdem waren diese Instrumente ganz leicht herstellbar, man benutzte Werkzeuge aus Stein, um den Bambus zu spalten und zu schnitzen. Wir wissen, dass die Inseln von Papua bereits vor 20.000 bis 60.000 Jahren von Menschen bewohnt waren. Deshalb kann man sich leicht vorstellen, dass diese Instrumente mindestens 30.000 Jahre und älter sein könnten. Natürlich finden wir dafür keine archäologischen Belege mehr, denn Bambus überdauert eine solch lange Zeit nicht.

    Wie diese Instrumente wohl geklungen haben mögen? Es gibt Leute, die sagen, dass die Maultrommel wie ein analoger Synthesizer klingt und dass die Musik, die man damit schon vor hunderten Jahren spielen konnte, sozusagen auf den heute modernen (im Sinne von elektronisch erzeugten) Klang vorgegriffen hat.

    Wir wissen das natürlich nicht, aber wenn man mit den Instrumenten lebt und sie die ganze Zeit spielt – nicht im Sinne des Übens, aber als Teil des Lebens – dann bekommt man schon eine klarere Vorstellung davon, wie die Instrumente geklungen haben könnten.

    Auf Papua, wo die Maultrommel schon seit Jahrtausenden gespielt wird, gibt es die größte Konzentration von Sprachen in der ganzen Welt. Die Sprachvielfalt ist so enorm, weil die Täler der Insel voneinander isoliert waren und aufgrund kontinuierlicher, ritueller Kriegsführung. Man bedenke nun: ein großer Teil der asiatischen Maultrommelmusik scheint auf Sprache zu beruhen, z.B. drückt die Musik der Hmong Dinge aus, die man mit dem Mund nicht sagen kann; sie verschlüsselt Kommunikation, Sprache, Rätsel, Poesie, Liebeserklärungen und geheime Verabredungen.

    Man kann sich also vorstellen, dass diese Musik Formen der Kommunikation und natürliche Klänge vereint hat und darüber hinaus Auswirkungen auf Geist und Körper hatte.

    Neben der Doppelflöte spielst du in deinen Konzerten auch verschiedene Maultrommeln. Wie entscheidest du, welche Musik du in einem Konzert spielst?

    Man nimmt die Stimmung auf und legt los. Natürlich gibt es immer Stücke, die ich vorgeplant habe, aber es ist meistens das bestes, die Stimmung den Rahmen für die Musik setzen zu lassen.

    Was ich gern mache ist, mir vom Publikum eine Zahl geben zu lassen, um einen improvisierten Rhythmus zu bauen. Das ist auch eine Herausforderung für mich, einer Zahl eine klangliche Form zu verleihen. Das wichtigste ist, den Menschen im Publikum etwas zu geben, das sie nährt und das sie noch in ihren Träumen erinnern werden.

    Könntest du zum Schluss noch ein Stück auf einer deiner Maultrommel spielen?

    Diese Maultrommel, sie heißt lubuw (lubu), kommt von einer ethnischen Gruppe, die auf Taiwan lebt. Sie besitzt drei Zungen. Man reißt an der Schnur und hält den Rahmen zum Spielen so, dass eine der Zungen erklingt. Die anderen Zungen werden abgedeckt, damit sie nicht mitschwingen. Das macht den klaren Klang aus. Manchmal klingen aber auch die anderen Zungen mit, z.B. wenn man zwischen zwei Zungen wechselt. Genau dieser Klang macht die spezielle Klangfarbe aus.

    Viele ethnische Gruppen Taiwans haben solche Instrumente, wie z.B. die Ami oder Atayal. Der Rahmen besteht aus Bambus, die Zungen sind aus Metall geschmiedet. Traditionell wurden sie aus den Gürtelschnallen der Kolonialbevölkerung gefertigt, denn woher hätten diese Leute früher Metall bekommen sollen?

    Wenn man diese Instrumente spielt, bleibt es nicht aus, dass man mit einer bestimmten Geisteshaltung, einem bestimmten Bewusstsein spielt. Ich will damit sagen, wenn man viele Jahre damit verbringt drei- oder mehrzüngige Maultrommeln zu spielen, dann spielt man unter Umständen auch mit seinem mentalen Zustand.

    Menschen arbeiten mit verschiedenen mentalen Zuständen. Wenn man viele Jahre mit seinen Händen arbeitet, dann sind die Hände aktiv, werden beweglich. Das gleiche gilt für ein Musikinstrument, dadurch kommt man den Menschen, die diese Instrumente ihr Leben lang gespielt haben näher. Man empfängt immaterielle Informationen – und, indem man die Instrumente selbst spielt, sendet man natürlich auch immaterielle Informationen.

     

    * Im Shop von DAN MOI findet ihr eine Auswahl mit Maultrommeln von Steev Kindwald. Jede ist ein Unikat.

  • Raus aus dem Alltag: Eine Gedankenreise mit dem Maultrommelspieler Yoeman

    Joachim Hellmann ist in seinem Wohnort in der Uckermark für seine Maultrommel-Leidenschaft bekannt. Eigentlich unterrichtet er Qi Gong und Taijiquan und arbeitet als pädagogischer Mitarbeiter an einer Grundschule. Manchmal spielt er aber auch mit den Kindern Maultrommel. Und hin und wieder wird er gefragt, ob er nicht einfach mal so zum Spaß ein Stück auf dem kleinen Hosentascheninstrument hervorzaubern kann. Auch auf Camps oder Festivals ist er mit der Maultrommel unterwegs, dann unter seinem Pseudonym Yoeman. Er sagt, die Maultrommel ist ein Spaßmacher und ein Kontaktmacher. Sie verbindet Menschen. Die Maultrommel ist aber auch das perfekte Instrument für Momente, die man allein verbringt; besondere Momente, wie etwa nach dem Auftritt von Yoeman im Sommer 2019 beim Ancient Trance Festival …

    Auf dem Marktplatz der Stadt Taucha ist es ganz still geworden. Die letzten Festival-Stände klappen ihre Tische zusammen und verstauen ihre mit Armbändern, Traumfängern und farbigen Klamotten gefüllten Boxen. Auf der Bühne rollt ein Techniker die letzten Kabel zusammen. Eine Gruppe mit Leuten ist nach dem Konzert noch auf dem warmen Kopfsteinpflaster sitzen geblieben und lässt den Tag ausklingen. Am Bühnenrand steht Yoeman und unterhält sich noch mit einem seiner Zuhörer während er Maultrommeln und eine Wasserflasche in den Rucksack schiebt. Mit einem wohligen Gefühl aus Energie und Erschöpfung von einer Stunde mitreißendem Konzertprogramm schwingt er sein Gepäck über die Schulter, verabschiedet sich vom Festivalgast und drückt sich flink zwischen den Lautsprechern am Bühnenrand vorbei auf die andere Straßenseite. Der auto- und menschenleeren Parkplatz hinter einem der Stadthäuser von Taucha ist wie gemacht für eine Auszeit. Nur wenn eine Katze dem Bewegungsmelder in die Quere kommt oder Yoeman eine ausladende Bewegung macht, geht ein Hauslicht an und blendet für ein paar Momente die sommerliche Dunkelheit. Yoeman lässt sich auf einer Bank fallen, die müde an der Hauswand lehnt. Stellt den Rucksack an den Fuß des Ruheplatzes und atmet tief durch.

    Aus dem Rucksack zieht er einen Holzkasten so groß wie ein Bilderbuch. Er öffnet den Verschluss, klappt den Deckel auf und betrachtet nachdenklich die Instrumente, die sich in kleinen Fächern von ihrem eben absolvierten Liveprogramm ausruhen. Yoeman greift nach der Vargan, die von einem Schmied im Ural gebaut wurde. Mit der kann man schöne, tiefe, entspannende Trance spielen. Er zupft nur einmal an der Feder, dann lässt er den Ton klingen bis zur allerletzten Nuance. Wie kann man jemandem die Beziehung zu seinen Instrumenten beschreiben? Yoeman greift meist intuitiv zu der Maultrommel, die zu seiner jeweiligen Stimmung passt. Seine Gedanken schweifen zurück zum Konzert. Heute hatte sich die Musik ganz selbstverständlich von seinem ursprünglichen Plan wegentwickelt. Der Plan, der beim letzten Konzert so gut funktioniert hatte, verselbstständigte sich hier in Taucha. Der Flow hat Yoeman einfach weggetragen. Es geht so viel um die Energie im Raum und mit dem Publikum. Wenn die Leute mitgehen, voll dabei und locker sind, dann kann man es genießen, die Musik einfach auf sich zukommen zu lassen. Auf die Ankerpunkte, die sich in über 30 Jahren Spielpraxis gebildet haben, ist Verlass: Spieltechniken, eigene Songs und Gespür.

    Yoeman betrachtet die Vargan noch einmal flüchtig und legt sie dann in die Box zurück. Sein Blick fällt auf eine Maultrommel aus der Ukraine. Nicht teuer gekauft und dabei gut spielbar, mit einer guten Stimmung. Ideal für Workshops, aber auch ideal, um selbst darauf zu spielen. Ein abgefahrenes Instrument. Man kann mit ihr einen langsamen, obertonreichen Beat spielen und Fingerstopps in den Flow einbauen, ganz so wie mit den Maultrommeln von Zoltán Szilágyi und von Andreas Schlütter, die Yoeman für seine Spieltechnik favorisiert.

    Diese ukrainische Maultrommel liegt fest in der Hand. Yoeman umschließt sie mit seiner linken Hand, um sich daran zu erinnern. Das Metall ist von der Sommerluft noch ganz warm und fühlt sich ungewöhnlich weich an. Dieses Instrument lässt sich auch dann noch gut halten, wenn man länger darauf spielt. Wenn die Musik ganz ohne Loops und Effekte entsteht, wie bei Yoeman, ermöglicht der feste Sitz zwischen den Fingern, dass man minutenlang auch ohne Stopps, Breaks und Absetzen spielen kann. Dass man mit diesen Instrumenten darauf verzichten muss besonders schnelle Schläge zu spielen, ist leicht zu verschmerzen und lediglich eines dieser Kriterien, wonach Yoeman je nach Song und Stimmung die passende Maultrommel auswählt.

    Als Yoeman Anfang der 80er Jahre in Suhl zur Schule ging und mit seinem besten Freund in das örtliche Musikgeschäft stolperte, um dort die Maultrommel zu entdecken, hätte wahrscheinlich keiner gedacht, dass ihn das Instrument so lange in seinem Leben begleiten würde. Dabei hätte der Zufall rückblickend betrachtet nicht größer sein können, denn das Musikhaus in Suhl war das einzige Geschäft in der ganzen DDR, das Maultrommeln aus der nahegelegenen Werkstatt von Friedrich Schlütter in Zella-Mehlis verkaufte. Als ihn einmal eine Zuhörerin nach dem Konzert fragte, wie seine lange Beziehung mit der Maultrommel eigentlich zu Stande kam, antwortete er: „Ich hab die Maultrommel recht viel gespielt. Für mich war das ein schöner Zugang zur Musik, ein einfacher. Irgendwann habe ich mir aus Leder eine Halterung für meine Maultrommel gebaut. Anfang der 90er Jahre stand ich dann sogar auch schon zwei-, dreimal auf der Bühne. Vor ca. zehn Jahren hab ich beim Ökotopia Festival ein bisschen Maultrommel gespielt und dort haben mich Leute gefragt, ob ich das Ancient Trance Festival kenne. Ich bin mit meiner Familie dann quasi von dem einen Festival direkt zum nächsten gefahren und komme seither zu jedem Ancient Trance“.

    Dass er jetzt hier auf dieser Bank am Marktplatz von Taucha sitzt, ein aufregendes Konzert für das Ancient Trance Publikum im Rücken, lässt ihm bewusst werden, wie eng die Verbindung zu dem Festival und seinen Instrumenten in den letzten Jahren zusammengewachsen ist. Dabei hat er den Maultrommelspieler*innen ganz am Anfang nur zugeschaut, sich irgendwann aber gefragt, warum er eigentlich nicht auch selbst ein Konzert hier spielt. Die Auftritte auf Bühnen wurden häufiger – nicht nur in Taucha. Wenn er mit seiner Familie im Sommer unterwegs ist, spielt Yoeman Straßenmusik, hat eigene Songs und diese auch auf CD aufgenommen. Das Festival in Taucha ist für ihn zur Inspirationsquelle geworden. Hier hat er die atemberaubenden Beats von Aron Szilágyi und den Airtists gehört. Musik, die Einfluss genommen hat auf seine eigene Spielweise, die intuitiv schon Jahre vorher Maultrommel mit Stimme und Beatbox kombiniert hatte.

    In der Uckermark ist Yoeman mit der Maultrommel oft der Exot. Manchmal trifft er in seinen Workshops auf Gruppen, da kennen von 50 Menschen nur zehn die Maultrommel. Das Besondere an diesen Momenten ist, dass sofort die Neugier von den Leuten geweckt ist. Sie fragen, „wie machst Du das?“. Die Maultrommel verbindet, macht Spass, sie entspannt. Und beim Ancient Trance Festival fühlt es sich für einen Maultrommelspieler an, als komme er nach Hause. Yoeman bemerkt, wie er die ukrainische Maultrommel immernoch fest in der Hand hält. Er setzt sie an und spielt eine kurze galoppierende Melodie mit zahlreichen Fingerstopps. – Jedes Mal, wenn er nur für sich spielt, öffnet sich ein weiter Raum und trägt ihn weg vom Ort, der Zeit und raus dem Alltag.

    Webseite & CD von Yoeman: https://yoema-wuoap.jimdofree.com/reinhören/

  • Stay Home! Make Music!

    Stay Home Make Music

    In diesen besonderen Zeiten sind viele von uns zu Hause, um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen und das ist gut so! Auch wir bei DAN MOI arbeiten hauptsächlich im Homeoffice und sind dankbar für alle, die den Versand aufrechterhalten.

    Dennoch steht in diesen Tagen sicher für einige von uns mehr Zeit zur Verfügung (nach dem Homeoffice, der Versorgung der Kinder, etwas Zeit an der frischen Luft usw.), sich mit Musik zu beschäftigen - Zeit für's Homestudio! Dafür haben wir für euch ein paar Ideen, die aus unseren Erfahrungen der letzten Jahre rühren, zusammengetragen. Viele namhafte Firmen aus dem professionellen und Homestudio-Bereich bieten momentan gänzlich kostenlose Angebote bis zu einem bestimmten Zeitpunkt für uns Musiker an - wir würzen sie mit ein paar eigenen Tipps für euch!

    Für alle nachfolgenden Vorschläge findet ihr hinreichend Tutorials auf den bekannten Videoplattformen. 😊

    Was ihr auf jeden Fall brauchen werdet, ist ein Computer. Für die folgenden Ideen braucht ihr keine großen Maschinen. Euer übliches Arbeitsgerät sollte dem gut gewachsen sein.

    Mikrofon

    Aus unserer langjährigen Erfahrung haben sich (im preiswerten Bereich) folgende Mikrofone als empfehlenswert herausgestellt:

    Sennheiser e845(S)

    Es ist perfekt für den Live- und Studioeinsatz der Maultrommel. Dieses dynamische Mikrofon begleitet uns schon viele Jahre auf der Bühne und ist auch für's Homestudio geeignet. Es hat nunmehr einen Nachfolger, ist aber sicher preiswert bei diversen Online-Portalen (eBay etc.) erhältlich.

    AKG C 3000

    Für alle anderen Instrumente, von Gitarre bis Flöte oder Kalimba, ein preiswertes Großmembran Kondensator Mikrofon mit vielseitigen Möglichkeiten. Auch dieses Mikrofon ist sicher preiswert gebraucht erhältlich. Für das Kondensatormikrofon braucht ihr allerdings eine 12V Phantomspannung über ein Mischpult oder direkt über die Soundkarte. Und damit sind wir beim nächsten Punkt.

    Soundkarte

    Die eingebauten Soundkarten in Desktops und Laptops kommen im Home Studio leider schnell an ihre Grenzen. Das betrifft u.a. Klangqualität, Latenz und die Vorverstärker. Wir empfehlen daher den Einsatz einer externen Soundkarte.

    Focusride Scarlet: Solo oder 2i2

    Sehr zu empfehlen sind die kleinen roten Soundkarten von Focusride und hier besonders die Focusride Scarlet Solo oder 2i2. Bester Klang auch in den Mikrofonvorverstärkern zu einem relativ kleinen Preis, stabil und mobil dazu. Das Ganze dann direkt in Verbindung mit einer DAW gebracht…

    Digital Audio Workstation (DAW)

    DAWs sind das Software-Herzstück des Home Studios. Hier läuft alles zusammen und wird alles gesteuert.

    Ableton Live

    Die Digital Audio Workstation Ableton Live ist ein sehr intuitiv bedienbares Aufnahme- und Kompositionsprogramm, welches wir sehr gern nutzen. Derzeit bietet Ableton eine Laufzeit für die Demoversion von 90 (!) Tagen an. In Ableton habt ihr bereits Effekte, Looper, Synthesizer und vieles mehr.

    Steinberg Cubase/Wavelab Elements in der #stayhome Collection

    Steinberg bietet diese einzigartige Kollektion derzeit 60 Tage kostenlos an.

    Kostenlose DAW-Programme

    Die folgenden Programme sind kostenlos und haben nur geringfügige Einschränkungen gegenüber den kostenpflichtigen DAWs.

    Waveform Free (ehem. Tracktion7)
    Cakewalk
    Pro Tools/First
    Studio One 4 Prime
    Audacity (Audioeditor ausschließlich zum Bearbeiten von Tonsignalen)

    Plug-Ins

    Für einen schönen Hall, außergewöhnliche Echos und andere Effekte brauchst du natürlich hochwertige Plug-ins für die DAWs. Das sind Effekte, Synthesizer/Instrumente und Drum-Machines. Die Plugins sind übrigens meist mit allen DAWs kompatibel.

    Soundtoys Effect Rack

    Feinste Effekte aus der US-Edelschmiede jetzt bis zum 30. Juni kostenlos nutzbar.

    FabFilter

    Preisgekrönte Effekte aus den Niederlanden - jetzt 30 Tage kostenlos testen.

    Kostenlose Plug-ins

    Jhud Vocal King Pro (Kompressor)
    Fuse Audio Labs RS-W2395C (Equalizer)
    Acon Digital Verberate Basic (Hallgerät/Reverb)
    Ben Schulz JP-ME-1 (Hallgerät/Reverb)
    Fanan Clarinetica (virtuelles Klarinetten Plug-in)
    Beatassist ITS (rhythmischer Synthesizer)
    Electronik Sound Lab ESL-110 (virtuelle Drum-Maschine)
    Sampleson Push (Der One-Button-Synthesizer)
    Visare Tone Style Organ (virtuelle Orgel)
    Manda Audio 7Q (Equalizer)
    Manda Audio MT Power Drum Kit 2 (virtuelles Schlagzeug)

    Und hier noch eine kostenlose Sample-Library vom hochgelobten Studio - mit cineastisch-orchestralen Klängen aus ihrem neuesten Projekt. Kostenlos aus Anlass der Corona Krise:

    ProjectSAM - The Free Orchestra

    Zusammen musizieren

    Und dann? Wo sind die anderen, mit denen ich so gern musiziere? Im Moment sicherlich und hoffentlich auch zu Hause! Doch ihr könnt euch treffen und nahezu simultan an euren Ideen und Projekten arbeiten. Zum Beispiel auf Splice, einer Plattform, die direkt für Musiker auf der ganzen Welt geschaffen wurde. Hier könnt ihr eure Musikprojekte mit euren Freunden oder auch Musikern, die ihr noch gar nicht kennt, teilen, gemeinsam bearbeiten und veröffentlichen. Die Cloud-Funktion läuft, wenn ihr es so wollt, nahezu in Echtzeit.

    Klangvolle Grüße,
    Euer Dan Moi Team

     

    Disclaimer

    Wir erhalten weder finanzielle noch materielle Unterstützung von o.g. Firmen und befinden uns in keinerlei geschäftlicher Beziehung. Es handelt sich einzig um eine persönliche Empfehlung ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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