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"Die Maultrommel kann die Welt besser machen." - Der Marranzano-Spezialist Luca Recupero

Luca Recupero - Jew's Harp PlayerLuca Recupero arbeitet als Musiker, Konzertveranstalter und Workshopleiter im Namen der sizilianischen Maultrommel Marranzano. Als Ausrichter des Marranzano World Festivals in Catania läutete er die Rückbesinnung auf das kulturelle Erbe der Marranzano in Sizilien ein. Als Musikethnologe begab er sich in den vergangenen zehn Jahren auf Spurensuche nach den Wurzeln der Maultrommelmusik auf Sizilien. Heute gilt er als Netzwerkstelle und Botschafter der sizilianischen Tradition des Maultrommel Spielens.

"Meine musikalischen Wurzeln liegen im Rock und Blues, und in der experimentellen Musikszene. Die sizilianische Maultrommel, die Marranzano, habe ich allerdings nicht in Sizilien spielen gelernt, sondern in Amsterdam, 1996 während meines Erasmus Studiums. Dort habe ich den Schweizer Musiker Antenna Tony Monorail getroffen und mit ihm habe ich viel Musik gemacht. Es war kurios, je weiter ich mich von Sizilien entfernte, desto mehr lernte ich über die Musiktraditionen von Sizilien." Luca Recupero, der ausgebildet E-Bassist ist, lernte nach und nach verschiedene Musikinstrumente aus verschiedenen Kulturen spielen, u.a. beschäftigte er sich mit indischer Musik, lernte Tabla spielen und tauchte in die Welt der indonesischen Gamelan-Musik ein. Im Jahr 2000 studierte er an der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London einen Master in Musikethnologie. "Diese musikalischen Ausflüge in die anderen Kulturen haben bei mir das starke Bedürfnis geweckt nach Sizilien zurückzukehren und nach den Wurzeln der lokalen Marranzano-Musik zu suchen. Heute verorte ich mich zwischen den Welten, zwischen der Tradition und dem Experimentellen in der Musik", sagt der 1973 geborene Sizilianer.

"Ich glaube die Marranzano ist ein Instrumente, um Welten, Planeten und Galaxien miteinander zu verbinden. Die Maultrommel erzeugt eine Resonanz in deinem gesamten Körper. Zusammen mit der Stimme ist die Maultrommel das einzige Instrument, bei dem der Musiker bzw. die Musikerin die eigentliche Quelle der Vibration und das vibrierende Element selbst ist." Das besondere an der Maultrommel sei, dass ihr Klang Menschen mit sich selbst und mit dem Universum in Kontakt bringen könne. Luca bekräftigt, "ich glaube, dass die Maultrommel die Fähigkeit besitzt die Welt zu einem besseren Ort zu machen."

Seit reichlich zehn Jahren bemüht sich Luca Recupero nun die Marranzano auch in das Bewusstsein der sizilianischen Bevölkerung zurückzuholen und diese Tradition als wertvollen Bestandteil sizilianischer Kultur zu (re-)etablieren. In Catania organisiert er Marranzano-Workshops, Konzerte mit Maultrommel-Virtuosen wie Leo Tadagawa oder Tran Quang Hai und das Marranzano World Festival (MWF). Das MWF widmet sich ganz der Marranzano, seiner lokalen und seiner globalen Spielweise. Seit 2005 findet das Festival aller zwei Jahre in Catania statt und zieht inzwischen Maultrommelfans aus aller Welt an. "Durch die Marranzano kommen die Leute in Kontakt mit ihrer eigenen Kultur und sie lernen gleichzeitig auch verschiedene andere Kulturen kennen. Die Maultrommel kommt aus der Vergangenheit, aber sie nimmt im gleichen Moment Kurs auf die Zukunft, das ist aus meiner Sicht das faszinierende an dem Instrument. Es ist eine schon fast heilige Kreuzung zwischen den Welten."

Ipercussonici 2008 in Tokyo, Japan Ipercussonici 2008 in Tokyo, Japan

Darüber hinaus ist Luca Recupero nach wie vor selbst als Musiker aktiv, u.a. in der Formation "Ipercussonici". Die Band gründete sich unter seiner Federführung 2002 in Catania. Musikalisch treffen sich bei Ipercussonici die Musik von Fela Kuti und von Rosa Balistreri – Ipercussonici bewegen sich zwischen ganz verschiedenen musikalischen Traditionen, dabei kehren sie immer wieder zur Musik Siziliens zurück und streben mit diesem Spagat nicht zuletzt den Entwurf einer "Musik der Zukunft" an. Ihr Stil rangiert zwischen Blues, Raggae und Rock, nimmt aber auch die Einflüsse zeitgenössischer Musikentwicklungen wie Rap und elektronische Musik auf. Bisher veröffentlichte die Gruppe zwei Alben: Tutti pari (2008) und Carapace (2013). Beide Alben verstehen sich als Manifest gegen Rassismus, für den Frieden und für kulturelle Vielfalt.