deutsch
english

Wie eine Klangdusche: Bernhard Mikuskovics über die Fujara

Der Musiker, Komponist und Musikpädagoge Bernhard Mikuskovics sprach mit Helen von DAN MOI über seine ganz persönliche Geschichte mit der slowakischen Flöte Fujara. „Ich schätze die optische Schönheit der Fujara; ich schätze das Gefühl, in ihrer Form den naturgewachsenen Holunderast zu spüren, wenn ich sie spiele; ich schätze ihren unvergleichlichen Klang und das Gefühl der Einheit mit allem Sein, wenn ich sie erklingen lasse.“ Bernhard Mikuskovics spielt diese sensiblen Instrumente praktisch überall. Er sagt, ihr Klang komme aber vor allem in der Natur und in Kirchen besonders gut zum Tragen. Das Interview soll Lust machen, die Fujara selbst einmal auszuprobieren, auch an unkonventionelleren Orten – also raus aus den eigenen vier Wänden.

Wie hast Du die Fujara für Dich entdeckt?

BM: Ich habe vor vielen Jahren, vor dem großen Didgeridoo-Boom Mitte der 90er Jahre, mit dem Didgeridoospielen angefangen und dadurch unterschiedliche Musiker kennengelernt. Einer dieser Musiker war ein Tscheche, der eines Tages in einer Kneipe ein Instrument mit hatte, das in einem langen Sack versteckt war, sodaß nur der untere Teil hervorschaute. Ich dachte erst, es wäre ein Didgeridoo und fragte ihn, ob ich es mir anschauen dürfe, worauf er meinte, es wäre eine Flöte. Als ich sie sah, mit den traditionellen floralen Mustern übersät, war ich sofort begeistert und als ich ihren Klang hörte, wusste ich sofort, dass ich so eine Flöte haben wollte. Beim Straßenmusik machen lernte ich dann eines Tages eine slowakische Musikerin kennen, die ich fragte, ob sie so eine Flöte kenne. Sie nickte und meinte, dass eine Fujara sogar in der Slowakei sehr selten wäre. Als ich sie eines Tages beim Musizieren wiedertraf, sagte sie, sie hätte im slowakischen Fernsehen einen Bericht über einen Mann gesehen, der die längste Fujara gebaut hatte. Sie hatte sich seine Adresse aufgeschrieben und wir beschlossen gemeinsam in die Mittelslowakei zu fahren, um eine Fujara für mich zu besorgen.

Worauf muss man aus Deiner Sicht spieltechnisch achten, damit die Fujara gut klingt? Ist sie kompliziert zu spielen?

BM: Die richtige Haltung ist beim Spielen natürlich wichtig, aufrecht, mit dem Daumen und Mittelfinger der einen Hand die oberen beiden Löcher abdeckend und mit dem Mittelfinger der anderen Hand das untere Griffloch abdeckend. Dann ist natürlich wichtig, daß man den Atem gut im Griff hat, dass man nicht nur gerade Töne, sondern auch immer wieder durch Triller verzierte Töne in sein Spiel einbaut und natürlich ist der Rozfuk, das scharfe, rhythmische Anblasen eine Besonderheit dieser Flöte, die sowohl Spieler als auch Zuhörer sofort in ihren Bann zieht.

Das "Komplizierte" an der Fujara ist, dass sie nur drei Grifflöcher hat, es aber eine Vielzahl von Tönen gibt, die man ihr mithilfe der Überblastechnik, mit Gabelgriffen und mit nur teilweisem Abdecken der Grifflöcher entlocken kann. Man bekommt ein gutes Gefühl für das Instrument, wenn man die Fujara mit viel Freude am Experimentieren spielt.

Welche Musik spielst Du auf der Fujara, wie setzt Du sie als Musiker ein?

BM: Das ist sehr unterschiedlich. Grundlegend klingen natürlich die traditionellen Melodien aus der Podpoľanie, der Heimat der Fujara in der Mittelslowakei, wunderbar. Da ich jedoch kein Slowake bin, spiele ich nur wenige dieser Melodien. Ich setze die Fujara gerne in Kombination mit Obertongesang ein, aber auch gerne zur Solo-Improvisation oder mit anderen Instrumenten.

Was ist für Dich das Besondere an der Fujara?

BM: Es gibt viele Besonderheiten an der Fujara. Schon ihre Größe ist besonders. Aber ganz besonders ist, finde ich, dass man durch die Haltung der Fujara als Spieler unter dem Ort der Klangentstehung steht und dadurch beim Spielen wie unter einer Klangdusche von den Klängen regelrecht gebadet wird. So etwas kenne ich bei keinem anderen Instrument.

Spielt die slowakische Tradition noch eine Rolle, wenn Du mit dem Instrument arbeitest?

BM: Ein bisschen schon, weil man natürlich durch die Art des Spielens immer wieder an traditionelle Melodien andockt, aber im Grunde keine Große, da ich weder Slowakisch spreche noch in traditionellem Kontext agiere.

Bernhard Mikuskovics mit Dusan Holik (Foto: B. Mikuskovics).

Spannend finde ich, dass Du in der Slowakei beim Fujara Festival warst! Welchen Eindruck hast Du von den Fujara-Spielern dort und der Bedeutung des Instruments heute mitgenommen?

BM: Das war natürlich eine tolle Sache, als Nichtslowake zu so einem Festival in Detva, dem Zentrum der slowakischen Folkloretradition, als Hauptkünstler eingeladen zu werden. Ich war da aber schon ein Exot mit meiner Art des Spielens, vor allem auch in Kombination mit Obertongesang, denn die slowakischen Fujaraspieler sind sehr mit den traditionellen Spielweisen und der Verwendung der Fujara in Kombination mit dem Singen von Hirten-Räuber-Liedern verbunden. Da ich nicht Slowakisch spreche, hat es leider die Sprachbarriere nicht erlaubt, sich gut mit den Menschen zu unterhalten. Ich hätte natürlich viele Fragen gehabt. Aber glücklicherweise durfte ich auf diesem Festival den Organisator des Festivals, Dusan Holik, einen sehr honorigen Fujaraspieler, der leider schon verstorben ist, kennenlernen. 

Wie lang ist Deine Fujara, auf welche Grundtöne ist sie gestimmt und welches Tonmaterial verwendest Du? 

Meine Lieblingsfujara, die ich am meisten spiele, weil sie mir vom Klang her am Besten liegt, aber auch deshalb, weil sie aus zwei Teilen besteht und dadurch leicht transportabel ist, ist auf den Grundton G gestimmt und hat eine Länge von ca. 170 cm. Ich habe aber auch noch Fujaras in H: ca. 135,5 cm Länge, in Gis: ca. 164,5 cm Länge, in C: ca. 127,5 cm Länge und in G klein: ca. 84,2 cm Länge.

Was kann man mit einer Fujara NICHT machen?

Man kann mit einer Fujara NICHT wie mit einer Blockflöte Tonleitern transponieren.

Wieviele Oktaven kannst Du mit Deinem Instrument erreichen?

Ich kann auf meiner großen Lieblingsfujara vier Oktaven und noch ein paar Töne darüber erreichen, wenn ich den ganz tiefen Ton, der allerdings sehr leise ist und den ich deshalb nur zum Ausklingen von Stücken verwende, mit einbeziehe. Vom normalen Grundton nach oben gerechnet sind es ca. dreieinhalb Oktaven. Ich bewege mich beim Spielen der Fujara melodisch hauptsächlich in den Bereichen der Obertonreihe und der mixolydischen Skala.