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Veranstaltungen

In dieser Kategorie schreiben wir über Maultrommel- und Musikveranstaltungen, Messen, Märkte und auch Reisen, die etwas mit uns oder unseren Instrumenten zu tun haben.
  • Maultrommel-Festival-Kalender 2019

    1. – 2. Februar Parmupillifestival, EST
    10. – 12. Mai Gjovik Music Week, NO
    18. Mai La Fete de la Guimbarde, FR
    20. – 23. Juni Marranzano World Fest, I
    26. – 28. Juni North American Jaw Harp Festival, USA
    4. – 7. Juli Rudolstadt Festival, D
    19. – 21. Juli Le Reve de l´Aborigene, FR
    8. – 11. August Ancient Trance Festival, D
    23. – 25. August Krutushka Festival, RU
    23. – 25. August Slovisha Festival, RU
    20. – 22. September Norwegian Jew´s Harp Festival, NO
    28. Dezember Global Vibes Festival, HU
    Februar 2020 World Mouth Harp Festival, INDIA
    August 2020 International Jew´s Harp Festival and Congress, CHINA (tbc)

    MAI 2019
    10. – 12. Mai Gjovik Music Week, NO
    18. Mai La Fete de la Guimbarde, FR

    Im Mai eines jeden Jahres zieht es die norwegische Maultrommel-Szene und internationale Folkmusikliebhaber*innen zur Music Week nach Gjovik. Dort kann man nicht nur das Maultrommelschmieden und Maultrommelspielen lernen. Es werden auch Kurse auf den Instrumenten Langeleik, Flöte, sowie Tanz und Gesang angeboten. Das Treffen findet vom 10. bis 12. Mai 2019 in Gjovik statt.

    Am 18. Mai 2019 findet in Frankreich erstmals ein eintägiges Maultrommel-Festival statt, La fête de la Guimbarde. Auf Initiative einiger Maultrommel-Liebhaber*innen und dem lokalen Tourismusverbands Vertolaye (in Zentralfrankreich) wird ein Festivaltag auf die Beine gestellt, bei dem sechs Maultrommel-Künstler*innen Konzerte spielen, u.a. Aron Szilágyi, Tikaille und Amaury le Barde. Angeboten werden außerdem Workshops mit verschiedenen Maultrommelschmieden und Workshops für Maultrommelspieler*innen. Für Vorträge angemeldet haben sich außerdem Harm Linsen und Luc „Tchen“ Yayer.

     

    JUNI 2019
    20. – 23. Juni Marranzano World Fest, I
    26. – 28. Juni North American Jaw Harp Festival, USA

    Marranzano, das sizilianische Wort für die Maultrommel, ist Namensgeber für das dortige Maultrommel-Festival. Das Marranzano World Fest findet regelmäßig im Sommer statt. Veranstaltet und ehrenamtlich organisiert wird es von dem Musiker und Musikethnologen Luca Recupero aus Catania, der u.a. durch die Band IPERcusSONICI bekannt ist. Luca verfolgt die Spuren der Maultrommel in der Geschichte Siziliens und versucht die Tradition um das Hosentaschen-Instrument wieder aufleben zu lassen. Die zehnte Ausgabe des Festivals findet 2019 vom 20. bis 23. Juni in Catania statt. Als Gäste haben sich bisher angemeldet Tran Quang Hai, Aron Szilágyi, sowie mehrere spannende sizilianische Bands und Musiker*innen wie Jacarànda, Matilde Politi und Maura Guerrera.

    Ein Maultrommeltreffen wird regelmäßig auch in Nordamerika ausgerichtet, das North American Jaw Harp Festival. Es findet 2019 vom 26. bis 28. Juni zum 24. Mal in Cottage Grove, Oregon statt. Organisiert wird es von einer Gruppe Maultrommelfans, die in verschiedenen Orten der USA leben. Zum Festival werden Konzerte, eine Open Stage und Workshops angeboten.

    JULI 2019
    4. – 7. Juli Rudolstadt Festival, D

    Der weißhaarige Folk-Fan der ersten Stunde begegnet dem 15-jährigen Neohippiemädchen, der Wissenschaftler für Alte Musik dem Neo-Jazz-Experten“, schreibt der Weser Kurier über Deutschlands größtes Weltmusikfestival. Das Rudolstadt Festival ist außerdem eines der wichtigsten Festivals für Folk und Weltmusik in Europa. Rudolstadt wird umschwärmt von Tausenden Festivalbesucher*innen. Pro Tag sind es über 25.000 Menschen, die für das besondere Flair und die ausgewählte Musik Jahr für Jahr wieder kehren. Knapp 30 Bühnen sind über die gesamte Stadt verteilt: im Park in der Nähe der Saale, auf dem Marktplatz und in kleinen Höfen der Innenstadt, und nicht zuletzt hoch über der Stadt auf der Heidecksburg. Im Schnitt sind dort über 120 Bands und Künstler*innen aus über 40 Ländern an vier Tagen zu erleben. Eine musikalische und kulturelle Dichte, die so kaum ein zweites Mal zu finden ist. 2019 wird durch den Länderschwerpunkt Iran persische Musik im Mittelpunkt stehen. Das Festival beginnt wie immer am ersten Donnerstag im Juli, vom 4. bis 7. Juli 2019.

    AUGUST 2019
    8. – 11. August Ancient Trance Festival, D
    23. – 25. August Krutushka Festival, RU
    23. – 25. August Slovisha Festival, RU

    Das Ancient Trance Festival (ATF) in der umtriebigen Stadt Taucha bei Leipzig ist bei Weltmusik- und Maultrommelfans als feste Größe gebucht. Gestartet ist das ATF vor gut 15 Jahren als kleiner, kompakter Konzertmoment für Maultrommelmusik. Transzendente, handgemachte Live-Musik, umweltbewusstes Feiern und Workshops zum Mitmachen: das Konzept des Festivals war so erfolgreich, dass sich das Wochenende im August im Festivalbetrieb etabliert hat. Das Festival-Team arbeitet nach den Grundprinzipien der Soziokratie, selbstbestimmt und im bewussten Umgang mit den Kräften der Natur und der Festivalgestaltenden. Deshalb gönnt sich das ATF Team regelmäßig ein Jahr Pause, denn auf die Beine gestellt wird es von allen Mitwirkenden in ihrer Freizeit. In diesem Jahr findet das Festival zum 10. Mal statt. Vom 8. bis 11. August 2019 besuchen dann unter den diversen Weltmusik Bands und Solokünstler*innen so einige Maultrommelvirtuosen Taucha. Fest zugesagt haben bisher: Airtists, UUTAi und Vassvik.

    Eine feste Größe im Maultrommel-Festival-Kalender ist weiterhin das Krutushka Festival, das regelmäßig im August in Russland stattfindet und vor allem die Weltmusik-Szene aus den russisch-sprachigen Ländern abbildet. Dabei sind immer auch ausgezeichnete Maultrommelspieler*innen.

    Die Maultrommelexperten Aksenty Beskrovny, Gjermund Kolltveit, Vladimir Markov and Anton Kamenskiy trafen sich 2019 beim Slovisha Festival in der Stadt Veliky Novgorod im östlichen Russland. Sie spielten zusammen Musik und teilten mit dem Publikum einige ihrer Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Maultrommel-Archäologie. Aksenty Beskrovny veröffentlichte im Anschluss an das Festival ein Gespräch mit Gjermund Kolltveit über dessen Maultrommel-Forschung seit dem Jahr 1994. Aus dem Zusammentreffen von Aksenty, Gjermund Kolltveit and Anton Kamenskiy auf dem Slovisha Festival 2019 entstand das Album "It's a Long, Long Way to Novgorod".

    SEPTEMBER 2019
    20. – 22. September Norwegian Jew´s Harp Festival, NO

    Eine der lebendigsten Maultrommel-Szenen in Europa gibt es in Norwegen. Deshalb ist es kein Wunder, dass ein weiteres Highlight im europäischen Maultrommelkalender das Norwegische Maultrommelfestival ist. In diesem Jahr findet es vom 20. bis 22. September in Rauland in der Provinz Telemark im Süden Norwegens statt. Die Einladung zu diesem Festival spricht das 1998 ins Leben gerufenen Norwegian Jew´s Harp Forum (Norsk Munnharpeforum) aus. Dank der Bemühungen des Forums gibt es Jahr für Jahr zahlreiche Möglichkeiten für den kontinuierlichen Wissensaustausch rund um das Thema Munnharpe. Zum Norwegischen Maultrommelfestival treffen sich jährlich im September die über 150 Mitglieder des Forums und zahlreiche internationale Gäste. Neben Konzerten und Workshops tauschen sich Maultrommelspieler*innen über Spieltechniken, Musikstücke, Maultrommeln und Neuigkeiten aus der Szene aus. Das Festival fand 1995 zum ersten Mal statt.

    FEBRUAR 2020 World Mouth Harp Festival

    Das wichtigste Podium für Maultrommel-Musik im südlichen Asien ist das World Mouth Harp Festival in Goa, Indien. Organisiert wird es seit 2013 von dem Musiker und Maultrommelspezialisten Neptune Chapotin. Das Festival findet regelmäßig im Januar statt und ist das nächste Mal für 2020 angekündigt. Man trifft dort aufregende Musik aus verschiedenen Regionen Indiens, z.B. aus dem südindischen Bangalore, den nördlich gelegenen Provinzen Rajasthan und Gujarat, oder Assam. Neben Maultrommelvirtuosen betreten dort auch Musiker*innen mit diversen indischen Musikinstrumenten, sowie Beat Boxer und Didjeridoo Spieler*innen die Bühne.

    AUGUST 2020 International Jew´s Harp Festival and Congress, CHINA (tbc)

    Das anvisierte Treffen von Maultrommelspieler*innen, Maultrommelschmied*innen und Wissenschaftler*innen folgt dem Kongress, der das letzte Mal 2014 in Taucha stattfand. Damals trafen sich mehr als 30 internationale Maultrommel-Fachleute für Vorträge, Konzerte, Diskussionen und Workshops in Taucha parallel zum Ancient Trance Festival. Zusammen mit der Konferenz wird auch der Wanderpokal „Weltzentrum der Maultrommel“ aus Taucha weiter nach China wandern. Denn der Ort, der den Kongress ausrichtet, wird den Pokal erhalten. Das erste Zusammentreffen dieser Art fand übrigens 1984 in Iowa City in den USA statt.

    Einzelne Veranstaltungen

    Der Österreichische Maultrommelverein veranstaltet regelmäßig Konzerte in Oberösterreich, u.a. in Molln und auf Schloss Feldegg.

    Nicht unerwähnt bleiben sollen die Veranstaltungen der Japanischen Maultrommel-Gesellschaft Nihon Koukin Kyoukai in Tokio, die maßgeblich von Leo Tadagawa organisiert werden.

  • „Mein guter Freund seit 56 Jahren.“ Spiridon Shishigin war zu Gast in Leipzig

    An einer dünnen, geflochtenen Kordel baumelt eine jakutische Maultrommel um den Hals von Spiridon Shishigin. Sie ist in einem Holzkästchen gebettet. Die Maultrommel fällt ins Auge, denn sie ist mit einer großen 65“ verziert. „Diese Khomus“, sagt Spiridon Shishigin, nachdem er das erste Stück auf einer anderen Maultrommel gespielt hatte, „ist ein Geschenk meiner Freunde zu meinem 65. Geburtstag. Das war letztes Jahr. Jetzt bin ich 66 Jahre alt. Ich spiele seit ich fünf bin. Die Khomus ist also seit 56 Jahren mein guter Freund.“ Er spricht vorsichtig, mit gedämpfter Stimme. Er schmunzelt, nimmt dann die geschätzte Maultrommel in beide Hände, hebt sie vor den Mund, hält inne, schnauft, läßt sie einen Moment vor seine Brust sinken, als wolle er durch diese Bewegung seinen Worten Nachdruck verleihen und setzt das Jubiläumsinstrument schließlich zwischen die Lippen.

     

    Am 15. Februar besuchte Spiridon Shishigin den Projektladen „Sinn und Sein“ in Leipzig. Um ein Konzert des weltweit berühmten Maultrommelvirtuosen aus Jakutien zu hören, kamen etwa 30 Fans und Gäste aus der ganzen Region. Hier, wo sich auch die Organisator_innen des Ancient Trance Festivals zur Planung treffen, liegt an diesem Winterabend ein Duft von indischem Chai in der Luft. Farbige Lichter bilden die Kulisse für den warmen Klang aus dem ewigen Eis und den langen Wintern. „Ich komme aus Sibirien und spiele für Euch ‚die Tundra’ auf meiner Maultrommel“, sagt Spiridon Shishigin und greift eines der ehrwürdigen Elemente der jakutischen Maultrommelkunst auf, das Klang und Schwingung unmittelbar mit Natur und Landschaft in Beziehung setzt: die Improvisation.

    „Ich spiele ‚die Tundra‘ für Euch, aber ich muss Euch sagen, ich war noch nie dort. Die Reise in die Tundra dauert viel länger, als eine Reise nach Berlin. Mit dem Flugzeug bin ich in neun Stunden in Berlin. Wenn ich in die Tundra reisen will, dann muss ich fliegen und noch stundenlang mit dem Auto fahren. Deshalb war ich noch nie da.“ Der beständige Wind der Tundra brauste durch Leipzig, zum Leben erweckt, durch die jakutische Maultrommel Khomus. Ein „Kuckuck“ rief aus der Kehle Shishigins den baldigen Frühling aus. Melodien bahnten sich ihren Weg und zeichneten eine karge, endlose Steppe im Norden Russlands.

    Spiridon Shishigin beim Konzert im Projektladen Sinn und Sein in Leipzig Spiridon Shishigin beim Konzert im Projektladen "Sinn und Sein" in Leipzig

    Dass Shishigin in Leipzig zu hören war, ist der Freundschaft mit Clemens Voigt von DAN MOI zu verdanken. Die beiden kennen sich seit 13 Jahren und spielten an diesem Abend auch ein Maultrommelduett für das Publikum. Allen, die die Gelegenheit verpasst haben Spiridon Shishigin live zu erleben, sei in Aussicht gestellt: Der Meister hat einen guten Grund in Zukunft häufiger nach Leipzig zu kommen, denn seit kurzem lebt die Familie seiner Tochter in Delitzsch.

  • Nachhaltigkeit auf ganzer Linie: Das Ancient Trance Festival 2016 setzt auf den bewussten Umgang mit Klang, Umwelt und Mensch.

    Ancient Trance Festival 2016

    Das Ancient Trance Festival in Taucha bei Leipzig startete vor über zehn Jahren als kleiner, kompakter Konzertmoment für Maultrommelmusik. Schon nach den ersten Festivals signalisierte das Publikum, dass es Lust auf den vom Ancient Trance Team geschaffenen Kosmos zwischen transzendenter Live-Musik, ressourcenbewusstem Feiern und Mitmach-Angeboten hatte. 2014 zog es am ersten August-Wochenende dann mehr als 4000 Menschen nach Taucha.

    Ancient Trance Festival 2014

    Wie blickt das Team der Organisierenden auf das Ancient Trance Festival? Corinna Klinke gehört dem Kommunikationskreis des Festival-Teams an und gewährt einen Einblick in die Strukturen, das Selbstverständnis und die Zukunftsvisionen von Europas größtem Maultrommelfestival. Für den DAN MOI Blog unterhielt sich Helen Hahmann mit ihr.

    Helen Hahmann (HH): Nach dem sehr erfolgreichen Ancient Trance Festival 2014, das u.a. den Kongress der Internationalen Jews Harp Society beherbergte, hatten sich wahrscheinlich viele Leute den Termin im August 2015 schon rot angestrichen. Dann habt ihr bekannt gegeben, ein Jahr zu pausieren und das nächste Festival erst 2016 zu organisieren. Warum?

    Corinna Klinke (CK): Wir haben auch in den Jahren zuvor gerne mal einen Schritt zurück gemacht. Das Festivalgelände war z.B. vor ein paar Jahren noch größer, es gab noch eine Bühne im heutigen Campingbereich. Nach diesem großen Festival haben einige aus dem Team gesagt, das war uns doch ein bisschen zu viel und dann haben wir uns wieder verkleinert und das Jahr darauf eine Bühne weniger aufgebaut. Das ist ein sehr prägender Aspekt für das Festival, dass wir schauen, was können wir überhaupt leisten, also ein eher nachhaltiger Umgang im Team, dass das Festival nicht die Leute verbrennt. Schließlich machen wir das alle ehrenamtlich. 2015 haben dann viele aus dem Team gefragt, woher kommt eigentlich die Kraft, um das so zu stemmen und dann war klar, wir brauchen mal ein Jahr Pause und arbeiten an der Mission und Vision des Festivals. Was wollen wir eigentlich und wie können wir das umsetzen? Eine wichtige Frage war dabei auch die Wertschätzung der Arbeit – nicht im finanziellen Sinne gedacht, sondern wie können wir „Danke“ sagen, dafür, dass die Leute das stemmen? Wie können wir als Team zusammenwachsen, damit das Festival auch zu einem Langzeitprojekt wachsen kann?

    HH: Wer sind die Leute, die das Festival organisieren?

    CK: Von außen bekommt man vielleicht schnell den Eindruck, das sind „Hippies“, die dahinter stecken, also so Leute mit Dreadlocks und bunten Klamotten. Und na klar, die gibt es. Es sind aber auch Leute dabei, die ähnliche Events in anderen Musiksparten organisiert haben und die einfach Lust haben auch was Neues kennen zu lernen. Uns vereint die Art von Musik, also das Virtuose und natürlich der Aspekt „Maultrommel“. Außerdem mag ich es z.B., mich von der Musik und von Gruppen, die ich noch nicht kenne, überraschen zu lassen. Also die Mischung an Leuten ist ganz bunt und damit sind auch die Interessen ganz vielfältig. Deswegen haben wir das letzte Jahr auch dafür genutzt eine Form der Kommunikation zu finden, die allen gerecht wird, also Konsens statt Content. Wir haben uns in einer Struktur organisiert, die sich Soziokratie nennt. Die verschiedenen Bereiche arbeiten dabei in Kreisen, sind also auf bestimmte Aufgaben spezialisiert. Es gibt bei den Treffen dieser Kreise z.B. ein sogenanntes „Check in“ und „Check out“, das den Leuten die Möglichkeit geben soll erst mal anzukommen: die einen kommen von der Arbeit, die anderen von einer Weltreise oder vom Abendbrot mit der Familie, d.h. jeder in der Gruppe bekommt seinen Raum. Es gibt weiterhin eine_n Moderator_in, der oder die darauf achtet, dass jede_r in der Gruppe zu Wort kommen kann oder, dass wenn jemand sehr lange spricht oder sich wiederholt ein Rahmen für das Treffen durch den Moderierenden geboten wird.

    HH: Wie bist Du zum Ancient Trance Festival dazugekommen?

    CK: Ich bin seit 2010 dabei. Damals habe ich am Schwarzen Brett einen Aushang gelesen, dass Leute gesucht werden. Ich hab mich dann mit dem Team getroffen und bin relativ schnell eingestiegen und hab ein paar Jahre lang die Presse koordiniert. Das hatte damit zu tun, dass ich Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig studiert hatte. Das wurde mir dann aber irgendwann zu eintönig, außerdem kam mein erstes Kind und ich habe deshalb mit im Büro gearbeitet. Das hat sehr viel Spaß gemacht, aber auch viel Kraft gekostet. Und 2014 habe ich dann in der Künstlerbetreuung mitgemacht.

    HH: Was hat sich programmlich beim Ancient Trance Festival verändert? Gibt es Neuerungen im Vergleich zu 2014?

    CK: Es kommen viele Weltmusikbands, die noch nie auf dem Ancient Trance gespielt haben. Aber auch ein paar bekannte Gruppen sind dabei, z.B. die Airtists um den ungarischen Musiker Áron Szilágyi. Gerade mit den Maultrommelvirtuosen kommen natürlich immer wieder ähnliche Künstler in unterschiedlichen Besetzungen, z.B. der Multiinstrumentalist und Maultrommelspieler Nadishana aus Russland. Er spielt 2016 zusammen mit Dima Gorelik aus Israel im Duo. Wir denken darüber nach, künftig auch ein Oberthema für das Festival zu finden, das könnte z.B. ein musikalisches Thema sein, wir können uns aber auch Themen wie Nachhaltigkeit oder Völkerverständigung vorstellen. Diese Überlegung befindet sich aber noch im Entstehungsprozess.

    HH: Was sind Deine oder auch Eure Visionen für Euer Engagement beim Festival? Was treibt Euch an? Was hofft ihr mit dem Festival zu bewegen?

    CK: Also, was mich antreibt, ist diese Zusammenarbeit im Team. Für mich war das damals, als ich in die Struktur reinkam ein Aha-Erlebnis, „so kann man auch miteinander kommunizieren“. Die Soziokratie hat dann letztes Jahr noch einmal sehr viele gepackt und Interesse geweckt. Was mich z.B. sehr beeindruckt hat ist die Konsensentscheidung: wenn wir z.B. Dinge abstimmen, dann versuchen wir die Entscheidung nicht nach Mehrheiten zu fällen, sondern zu einem gemeinschaftlich getragenen Entschluss zu gelangen.

    Das Ancient Trance ist kein Festival, das bis nachts um drei geht oder länger. Spätestens um ein Uhr ist auf den Bühnen Schluss. Das Schöne aber ist, dass danach noch überall Leute auf den Wiesen sitzen und zusammen Musik spielen, also kleine Sessions entstehen; das ist etwas, das für Festivals vielleicht nicht so üblich ist, dass der Gast selber auch noch Musik macht. Beim Ancient Trance kommt man dazu sich zu treffen, sei es bei der Musik oder früh beim Lachyoga oder am See, wenn man die Stimmung genießt. Dass das Festival so anders ist, ich denke, das zieht viele Leute an und das weckt auch das Interesse selbst mitzumachen. Es gibt viele im Team, die erst Gast waren und dann Lust darauf hatten selber mitzumachen. Das ist es, was uns alle motiviert.

    HH: Was wünschst Du Dir für die Zukunft des Festivals?

    CK: Ich wünsche mir, dass das Ancient Trance „gesund wächst“. Viele Festivals wurden gehypt und dann wurde ganz schnell etwas ganz großes draus. Das hat einiges vom Charme dieser Festivals kaputt gemacht und das wünsche ich dem Ancient Trance gar nicht. Sondern vielmehr, dass es auf eine gesunde Weise mit seinen Ressourcen und Energien wächst. Dazu gehört auch, dass es nicht zu einer Routine wird, was wir da tun, sondern dass der Platz für spontanes Agieren bleibt, dass das Festival lebendig bleibt und seine Offenheit bewahrt. Offenheit im Sinne, dass man schaut, was passiert eigentlich um uns herum, wie verändert sich unsere Gesellschaft, wie verändern sich unsere Gäste, was kommen für neue Gäste dazu und was haben die für Wünsche.

    Das Ancient Trance Festival findet 2016 vom 12. bis 14. August statt. Das Gespräch mit Corinna Klinke ist nachhörbar auf freie-radios.net: https://www.freie-radios.net/76226

    Ancient Trance Festival 2016

     

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